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Fotos: ©Bernd Böhner
aktualisiert am: 01.12.2005 10:47

 

Schwarzes Tuch erinnert schamvoll an ein dunkles Kapitel der Erlanger Geschichte

"Deckt mich zu, keiner soll mich sehen", sagt der Erlanger Schlossplatz – zumindest im Gedicht des Schriftstellers Habib Bektas. Schamvoll erinnern diese Worte an ein dunkles Kapitel in der Erlanger Geschichte: Am 12. Mai 1933 hatten nationalsozialistisch gesonnene Studenten auf dem Schlossplatz in Erlangen Bücher verbrannt.

Am 12. Mai 2002, dem 69. Jahrestag, trug der Schlossplatz Trauer: Die Universitätsstadt verhüllte den Ort der nationalsozialistischen Kulturvernichtung mit schwarzem Tuch. 3000 Quadratmeter Stoff sparten lediglich die Stelle aus, an der eine Gedenktafel an die makabre Veranstaltung erinnert. Das Gedicht von Bektas flankierte auf zwei Transparenten – einmal in deutscher, einmal in türkischer Sprache – das Markgrafenschloss.


Finanziert hatte die Aktion MAUSS-Geschäftsführer Reinhard Daeschler, die Idee kam von dem in Erlangen lebenden Schriftsteller Habib Bektas. Das ursprünglich auf dem Schlossplatz geplante Konzert des Pianisten Lukas Maria Kuen wurde aufgrund heftiger Regenfälle in die Orangerie verlegt. Kuen spielte unter anderem Werke von Erwin Schulhoff und Viktor Ullmann sowie von weiteren Komponisten, die unter dem NS-Regime verfemt oder verfolgt wurden.

In vielen deutschen Städten brannten im Frühjahr 1933 die Scheiterhaufen. Von sogenannten "Feuersprüchen" begleitet, übergaben Studenten, Professoren und Organe der Nationalsozialisten ein Stück deutsches Kulturgut den Flammen. Vernichtet wurden unter anderem die Bücher von Karl Marx, Heinrich Heine, Sigmund Freud, Thomas Mann, Heinrich Mann, Erich Maria Remarque, Bertolt Brecht, Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Carl von Ossietzky und Alfred Kerr. Weite Teile des deutschen Bildungsbürgertums fassten die Kulturbarbarei damals als "studentischen Bierulk" auf. Auch im Ausland verkannte man lange Zeit die fatale Bedeutung der Kampagne: "Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende Menschen" (Heinrich Heine).

schlossplatz

stolz
ich bin die vergangenheit, sagt er,
und die zukunft
wenn man ihn fragt, warum
zeigt er seine menschenmengen

einmal im jahr neigt er das haupt
weint, die augen geschlossen
-12. Mai-
deckt, sagt er, deckt mich zu
keiner soll mich sehen

habib bektas

© mauss, 2003

webmaster@habibbektas.com
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©Ralf Bergmann