CENNETIN ARKA BAHÇESI
(Im Hinterhof des Paradieses )
Wir sitzen unter dem Laubengang, und Öykü
Abla weint. Ich sage nichts mehr, auch nicht: Wein doch nicht, und
schaue aufs Meer.
Ich sehe das Meer. Öykü Abla sieht
es nicht. Ich schaue aufs Meer; dort sind zwei Boote, ein großes
und ein kleines. Das große Boot bewegt sich, das kleine scheint
stillzustehen. Vielleicht bewegt es sich aber auch. Das ist nicht
sicher.
Ich schäme mich und ärgere mich gleichzeitig
über mich. Bestimmt habe ich etwas falsch gemacht. Ich habe
Öykü Abla zum Weinen gebracht. Wenn sie weint, tut mir
das unheimlich leid.
Das Gerät dreht sich wieder. Ich gehe zu
Öykü Abla, strecke die Hand aus und decke es zu. Sie hält
mir die Hand fest. Ich fürchte mich. Habe ich vielleicht etwas
Falsches gesagt? Sie merkt es und sagt: „Nur keine Angst!“
„Ich habe doch gar keine Angst“, antworte ich. Sie lässt
meine Hand nicht los. Sie soll sie nicht loslassen. Wenn Öykü
Abla sie nie mehr losließe, weder bei Tag noch bei Nacht,
hätte ich nichts dagegen. Sie zieht mich an sich, und wir sind
einander so nah, dass meine Nase fast die ihre berührt. Sie
schaut mir in die Augen. Im Dunkel ihrer Augen erkenne ich mein
Gesicht:
„Çakir, du lügst doch nicht,
oder?“
Ich denke eine Weile nach und sage dann: „Das
weiß ich nicht.“
„Weiß man denn nicht, ob man lügt
oder die Wahrheit sagt?“, fragt sie.
„Ich weiß es doch nicht, ich hab’s
vergessen.“
Öykü Abla runzelt die Stirn, lässt
meine Hand los und dreht sich zum Meer. Sie zündet sich eine
Zigarette an und wirft das Streichholz auf den Boden. Ich bücke
mich und hebe es auf. Sie wird ärgerlich und wirft den Aschenbecher
runter. Er geht nicht kaputt, aber Kippen, Streichholzstummel und
Asche liegen jetzt überall herum. Ich lege meine Hand auf den
Tisch, denn ich möchte, dass sie meine Hand wieder in ihre
nimmt. Sie tut es nicht. Ist sie etwa böse? Nein, Öykü
Abla ist mir nicht böse.
Vor einer Weile habe ich den Weg unter dem Laubengang
gesprengt und gefegt. Ich hebe alles auf, was auf dem Boden herumliegt
und gehe dann zum Granatapfelbaum. Ich gehe immer dorthin, wenn
ich nichts zu tun habe. Unter dem Baum kann mich niemand sehen.
Der Granatapfelbaum hat auch etwas von einem Kind an sich. Er wird
etwa fünf Jahre alt sein, jünger als ich. Ich setze mich
an die Mauer; von dort aus sieht man das Meer. Öykü Abla
sitzt am Tisch; von dort aus kann man es auch sehen. Wenn ihr Typ
zu Hause ist, sitze ich immer dort. Aber ihr Typ kommt selten. Mal
kommt er eine Woche lang gar nicht, dann ist er plötzlich da.
Er verschwindet, eine Woche vergeht, und er kommt wieder. Dann bleibt
er einen Tag lang und macht sich wieder vom Acker!
Jetzt habe ich nichts zu tun. Die Ungläubigen
sind fort. Die Leute aus Istanbul sind auch fort. Ich habe Istanbul
noch nie gesehen, aber einmal war ich in Izmir. Die Gegend dort,
das war Izmir, aber nicht die richtige Stadt. Das war die Höhle
für die Busse; Garage nennt man das. Von dort kommen die Leute.
Hierher, ins Paradies. Aber nur ein paar. Die meisten, die hierher
kommen, sind Ungläubige.
Die Städte der Ungläubigen habe ich
auch noch nicht kennen gelernt. Die müssen ja unheimlich weit
weg sein! Die Leute, die von dort kommen, sind blond. Ich bin auch
ein bisschen blond. Aber nicht so wie die. Wenn der Winter zu Ende
ist, kommen sie bestimmt wieder. Dann habe ich wieder viel zu tun.
Als sie fortgingen, als wirklich alle verschwunden
waren, sagte ich: „Ich komme jetzt nicht mehr, denn mit der
Arbeit ist es vorbei, Öykü Abla!“ „Kommt überhaupt
nicht in Frage“, antwortete sie, „du bist doch nicht
nur ein Arbeiter, sondern mein Freund!“
Ich schaute ihr in die Augen: „Meinst
du das ernst?“
Sie lachte: „Aber klar, mein Kleiner,
natürlich bist du mein Freund!“
„Und dein Typ?“, fragte ich, „du
hast doch einen Typ!“
„Du meine Güte“, sagte sie,
„wie groß der Junge schon geworden ist, dass er auf
meinen Typ eifersüchtig ist!“
Sie putzt mir die Nase mit einem Papiertaschentuch.
Das kommt mir so vor, als würde sie mir einen Faustschlag versetzen.
Ich bin unheimlich sauer, dass meine Nase ständig läuft.
Im Sommer wie im Winter. Meine Mutter sagt immer Rotznase zu mir.
Sie putzt mir die Nase und lacht. Wenn Öykü
Abla lacht, wird sie wirklich schön. Dann sieht man ihre schneeweißen
Zähne. Ihr Lachen ist wie perlendes Wasser; wenn sie lacht,
denkt man ans Meer. Sie war nicht sauer auf mich, weil ich von ihrem
Typ gesprochen habe. Früher hat sie sich mal darüber geärgert.
„Das ist doch nicht irgendein Typ“, sagte sie, „sondern
mein Freund.“ Wenn ich eine Frau Weib nannte, wurde sie auch
böse. Es heißt aber doch Weib. Öykü Abla sagt,
ich soll Frau oder Dame sagen. Ich will das auch, aber ich vergesse
es immer wieder. Mein Vater redet doch auch so: Weib!, sagt er.
Ich weiß es nicht.
Öykü Abla ruft: „Çakir“,
ich stehe auf, aber ich gebe keinen Ton von mir. Wieder ruft sie:
„Çakir“. Sie ruft noch nicht einmal laut, aber
ich höre ihre Stimme. Mir ist das peinlich, weil ich sie doch
zum Weinen gebracht habe. Ich will nicht zu Öykü Abla
gehen, aber meine Füße tragen mich zu ihr.
Sie hat sich dem Meer zugewandt, und der Tisch
steht hinter ihr. Mein Stuhl ist frei, aber ich setze mich nicht,
sondern lehne mich an den Tisch. Ohne sich mir zuzuwenden und ohne
mir ins Gesicht zu schauen, fragt sie: „>ak~r, stimmt das,
was du mir erzählt hast?“
Ich will ihr antworten, aber ich kann nicht
sprechen. Ich kann doch nichts sagen, wenn ich nicht ihr Gesicht
sehe! Ich laufe um den Tisch. Öykü Abla steht jetzt neben
mir. Sie bückt sich und schaut mich an. Ihre Augen sind noch
feucht, aber sie weint nicht mehr. Wenn sie doch nur einmal lachen
würde! Ich denke nach und überlege krampfhaft, was ich
ihr erzählt habe. Ich weiß es doch nicht mehr! Es ist
doch solange her, seit wir die Heimat verlassen haben.
„Ich weiß es nicht mehr“,
antworte ich, „ich habe es vergessen, weil es doch solange
her ist, seit wir aus dem Dorf weg sind.“
Da schreit Öykü Abla. Sie schreit
ganz laut. „Du bist wohl verrückt!“, ruft sie.
„Entweder lügt man, oder man sagt die Wahrheit. Du musst
doch wissen, ob es stimmt, was du gesagt hast!“
Ich kann es nicht mehr aushalten und fange auch
an zu weinen. Keinen Laut gebe ich von mir, keinen Ton kann ich
herausbringen, ich heule einfach drauflos. Obwohl ich nicht weinen
will, strömen mir die Tränen nur so übers Gesicht.
Trotzdem bin ich ganz froh, denn Öykü Abla sieht nicht,
dass ich weine.
Die Boote auf dem Meer sind verschwunden. Auch
das kleine Boot ist davongeschwommen. Die Sonne scheint ins Meer
zu kippen, aber es ist noch lange nicht Abend.
Ich weine nicht mehr. Wenn ich mir das Meer
anschaue, vergesse ich das Weinen. Mir sitzt ein Kloß im Hals,
und ich wische mir den Rotz mit dem Ärmel ab. Und dann schaue
ich Öykü Abla an. Sie hat es nicht gesehen. Sie wird sauer,
wenn ich mir den Rotz mit dem Ärmel abputze. Sie gibt mir Papiertaschentücher,
aber die vergesse ich und wische mir den Rotz wieder mit dem Ärmel
ab.
Die Augen der Öykü Abla sind nicht
zu erkennen. Ich bücke mich. Ich kann sie immer noch nicht
sehen. Ich erkenne ihre Nase und ihre Haare, ihr Ohr und ein ganz
kleines Stück ihrer Wange. Ich schaue mir die Blumen auf ihrem
Kleid an. Sie hat heute ihr Kleid mit den Gänseblümchen
angezogen. Überall Gänseblümchen. Außerdem
trägt sie eine schwarze Jacke., die hat sie aber nicht richtig
angezogen, sondern nur um die Schultern gelegt.
Ich will etwas sagen und mache den Mund auf,
aber ich bringe keinen Ton hervor. Ich greife nach dem Ärmel
ihrer Jacke. Ich will doch, dass sie mich anschaut. Ich will ihre
Augen sehen. Sie schaut mich nicht an. Dann finde ich endlich meine
Stimme wieder: „Warst du mir böse?“
Sie sagt kein Wort und blickt aufs Meer.
„Hast du mich noch lieb?“
Sie blickt aufs Meer.
„Na, dann gehe ich halt weg“, sage
ich.
Ich höre, wie sie sagt: „Ach, Çakir!“
Ich freue mich, dass sie etwas gesagt hat, wenigstens zwei Worte.
Und dann lache ich. Sie sieht nicht, dass ich lache. Ich werde doch
nicht weggehen! Aber vielleicht gehe ich doch. Ich gehe sowieso
weg. „Komm nicht so spät zurück!“ hat meine
Mutter gesagt. Ich gehe weg, aber ich kann doch nicht einfach so
von Öykü Abla abhauen.
„Soll ich dir Tee eingießen?“,
frage ich.
„Ich will keinen“, antwortet sie,
„aber nimm dir nur Tee, wenn du willst.“ Endlich hat
sie wieder etwas gesagt, endlich hat sie wieder mit mir gesprochen,
und ich lache wieder. Ich will gar keinen Tee. Den mag ich sowieso
nicht. Mein Vater mag Tee, auch meine Mutter und meine Tante, die
mögen Tee. Mir schmeckt er nicht.
„Du bist mir doch nicht böse!“,
sage ich.
„Nein“, antwortet sie, ohne mich
anzusehen.
„Dann gehe ich jetzt!“
„Çakir, du Lügner“, sagt
sie.
„Ich bin kein Lügner!“, antworte
ich.
Sie dreht sich zu mir um. Es sieht so aus, als
wären ihre Augen größer geworden. Sie sind nicht
wütend, aber traurig. Das begreife ich. Ihre Stimme ist anders
als sonst. Wie eine Wolke. Ja, sie hat Ähnlichkeit mit den
Wolken. Die Wolken mag ich sehr. Ich male mit Wolken und baue Häuser
aus Wolken. Das Haus, das ich gebaut habe, sieht aus wie das Paradies
von Öykü Abla. Vor dem Haus ist ein großer Garten,
und vor dem Garten steht ein Wagen. Ein gelbes Auto, ein Taxi. Wenn
ich groß bin, habe ich auch ein Taxi.
Ich bin es nicht, der die Bilder malt! Die Wolken
malen sie. Ich schaue in den Himmel und sehe die Bilder der Wolken.
Sie malen die Bilder, die ich liebe. Manchmal zeichnen sie ein Bild
von Öykü Abla. Das erkenne ich sofort. Honigsüße
Bilder malen sie, sie malen das Bild des Dorfs, aus dem wir weggegangen
sind und das Bild Dikbakir’s, wo wir Rebhühner gefangen
haben. Manchmal auch Dilan’s Bild. Aber meistens das Bild
von Öykü Abla.
Ich schaue auf, und ihr Gesicht ist mir ganz
nahe; sie hat mich an sich gezogen und hält mich an beiden
Armen fest. „Lauf“, sagt sie, „hol eine Flasche
Wasser!“
„Kaltes Wasser?“
„Nein“, antwortet sie, „nicht
aus dem Kühlschrank, sondern aus dem Kasten.“
Wie ein Wirbelwind rase ich los, bin im Nu zurück
und gebe ihr die Flasche. Sie schüttet sich Wasser auf die
Hand. Als sie ihre nasse Hand an mein Gesicht hält, begreife
ich, was auf mich zukommt. Aber ich sage nichts. Öykü
Abla wäscht mir Gesicht und Nase. Dann wischt sie mir das Gesicht
mit dem Papiertaschentuch ab. Ein andermal wäre ich stocksauer
geworden, hätte mich geschämt und wäre weggelaufen.
Aber ich gebe keinen Laut von mir. Sie stellt die Flasche auf dem
Boden ab. Dann zieht sie mich an sich und klemmt mich zwischen ihren
Beinen ein. Ich spüle mir die Augen. Öykü Ablas mütterliche
Wärme ist sehr angenehm. Sie hält mir den Kopf und zieht
ihn zu sich heran. Ich mag die Weichheit und Wärme ihrer Brüste.
Mir ist, als würde ich schweben.
Öykü Abla ist lieb. Wenn nur ihr Typ
nicht wäre!
* * *
Es war im Frühling, das wusste ich. Alles
war blumenübersät. Wir waren auf dem Lastwagen gekommen.
Eines Tages ging ich hin und schaute sie von weitem an. Sie guckte
mich auch an. Als Öykü Abla mich sah, sagte sie zuerst
gar nichts. Am nächsten Tag ging ich wieder hin und schaute
sie von weitem an. Öykü Abla guckte mich auch an. Damals
war sie noch nicht Öykü Abla. Das war einfach eine schöne
Abla. In den nächsten Tagen ging ich immer wieder hin. Ich
schlich mich bis zum Oleander. Damals war der Busch noch kein Oleander.
Das war einfach ein Strauch mit schönen Blüten. Dann winkte
Öykü Abla mir und rief: „Komm!“ Ich ging nicht
hin, denn ich hatte Angst. Am nächsten Tag ging ich wieder
hin. Sie kam zu mir und redete in einem fort. Damals war sie noch
nicht Öykü Abla, sondern die Abla mit der schönen
Stimme. Ich hörte sie immer, aber ich konnte sie nicht verstehen.
Ich hörte ihre Stimme; sie war wie perlendes Wasser, wie der
Duft am Nacken meiner Mutter. Am nächsten Tag ging ich wieder
hin. Da kam der Typ, Öykü Abla’s Typ. Ich schaute
ihm nicht ins Gesicht, das konnte ich einfach nicht. „Zum
Teufel mit dir, du mieser kleiner Kerl! Du Hurenbastard!“,
rief er. Ich lief weg. Wenn man mir sagt, ich soll mich zum Teufel
scheren, laufe ich weg. Wenn die Leute sagen: „Zum Teufel
mit dir!“, dann geht man halt.
* * *
Später ging ich immer wieder hin. Öykü
Abla gab mir Brot mit irgendwas drauf. Damals war es noch kein Honigbrot.
Sie legte es unter den Oleander, aber ich fasste es nicht an. Ich
hätte es so gern genommen, aber ich traute mich nicht. Meine
Hand schob sich jedes Mal ein Stückchen weiter dorthin, aber
ich fasste es nicht an. Am nächsten Tag ging ich wieder hin,
und da wurde sie zu Öykü Abla. „Ich bin Öykü
Abla“, sagte sie. Dreimal nannte ich sie „Öykü
Abla“ und aß eine der beiden Scheiben Brot, die sie
mir gab. Das Brot schmeckte super, und süß war es auch.
Sie sagte: „Das ist Honigbrot!“ Ich wiederholte das
Wort und steckte eins in die Hosentasche. Öykü Abla sah
nicht, wie ich das Brot in die Hosentasche steckte. Das brachte
ich meiner Mutter. Danach wusch meine Mutter meine Hose, denn die
Hosentasche war völlig verkleistert.
Ich sammle den Müll in Öykü Ablas
Paradies auf und rede mit keinem. Zu niemandem sage ich etwas. Ich
habe auch gelernt, Blumen zu gießen. Wenn man den Blumen zuviel
Wasser gibt, vertrocknen sie. „Man darf sie nicht ertränken!“,
sagt Öykü Abla.
Die Leute kommen in einem gelben Wagen ins Paradies.
Damals wusste ich noch nicht, was ein Taxi war. Ich nannte es einen
gelben Wagen. Sie bleiben einen Tag, noch einen Tag, ganz lange,
und dann reisen sie wieder ab. Sie lesen Zeitungen und Bücher,
legen sich in die Sonne und lachen. Sie lachen viel. Sie trinken
Wasser aus Flaschen. Öykü Abla kocht für sie und
lacht sie an. Aber nicht so, wie sie mich anlacht. Sie lacht ganz
laut. Mit mir lacht sie leise. Wenn Öykü Abla meine Haare
streichelt, freue ich mich. Jedes Mal, wenn sie mir die Haare streichelt,
wird mir ganz warm ums Herz.
Als ich zu Öykü Abla kam, war ich
Memo. Mein Vater nannte mich „Memo“, und auch meine
Mutter. Auch Dilan und Hüsnü sagten „Memo“
zu mir. Dann aber nannte Öykü Abla mich „Çakir“.
So wurde ich „Çakir“. Ich bin ganz und gar „Çakir“
geworden. Öykü Abla’s Typ nennt mich nicht Çakir.
Der nennt mich „mieser kleiner Kerl“. Aber er sagt nicht
mehr: „Geh zum Teufel!“ Er sagt gar nichts. Ich gucke
ihn nicht an. Wenn er ins Paradies kommt, gehe ich nicht zur Arbeit.
Trotzdem treffen wir uns manchmal.
* * *
Es war am frühen Morgen, ich ging zum Paradies
und goss die Blumen. Öykü Abla schenkte mir Tee ein, und
außerdem gab es was ganz Feines. Sie nannte es „Kuchen“.
Die Sonne näherte sich dem Zenith. Ich ging hinters Haus, unter
den Granatapfelbaum. Man schaut den Leuten nicht zu, wenn sie essen.
Dann blieb ich immer dort. Dann nahm ich mir das Tuch, das auf dem
Tisch lag. Ich nahm es an mich, und niemand sah es. Dann gehe ich
mal, sagte ich mir. Der Typ der Öykü Abla sah mich. „Lauf
da nicht dauernd rum, du mieser kleiner Kerl!“, rief er. Ich
wollte weg und stand schon vor der Tür. Der gelbe Wagen kam.
In meiner Hosentasche hatte ich das oleanderfarbene Tuch, das Öykü
Abla sich ins Haar band. Niemand hatte gesehen, dass ich es mir
genommen hatte. Öykü Abla’s Duft war darin. Nachts
würde ich daran schnuppern, immer wieder würde ich daran
schnuppern... Öykü Abla’s Duft ist wunderbar. Mein
Mutter spricht doch vom Duft der Hochebenen!
Ich blieb vor dem gelben Wagen stehen. Strohblonde
Frauen stiegen aus. Zwei waren es. Außerdem ein Mann. Er war
auch blond. Der Typ, der den gelben Wagen steuerte, holte ihr Gepäck
aus dem Kofferraum. Ich fasste den kleineren Koffer an. Den lade
ich mir mal auf, dachte ich mir, aber das klappte nicht. Er war
unheimlich schwer. Ich schämte mich. Trotzdem probierte ich
es weiter. Ich versuchte es noch mal und noch mal. Ich konnte ihn
noch nicht mal heben. Ich versuchte, ihn vor mir herzuschieben.
Der blonde Typ kam und nahm mir den Koffer aus der Hand. Dann sagte
eine der Frauen etwas, das ich nicht verstand. Sie redeten ausländisch.
Das ist eine Sprache, die ich nicht verstehe. Ich kann Kurdisch.
Der blonde Typ zog seine Brieftasche und hielt mir Geld hin. Mir
lag nicht am Geld. Mir lag nicht daran, aber ich sah welches. Das
war ein großer Geldschein. Dafür bekam man ein Boot.
Bestimmt bekam man ein Boot dafür. Mein Vater brauchte ein
Boot. Ich nahm das Geld nicht. Das war ausgeschlossen. Ich konnte
den Koffer ja noch nicht mal heben, also gab’s auch kein Geld.
Dann ging ich nach Hause. Öykü Abla duftet wunderbar.
Das ist der Duft der Hochebene.
* * *
Ich weiß nicht, wieviel Zeit vergangen
war. Öykü Abla nahm meinen Kopf in ihre Hände und
flüsterte: „Çakir!“
Mir war, als wäre ich aus dem Schlaf aufgeschreckt:
„Waas?“
„Hast du mich lieb?“
Sofort nicke ich. Ich nicke ganz heftig mit
dem Kopf, sage aber kein Wort. Ich schäme mich, kann aber nicht
sagen: Ich habe dich sehr lieb. Ich kann doch nicht sagen: Du hast
so eine herrliche Wärme, sogar noch mehr als meine Mutter.
Ich kann ihr auch nicht sagen: Du bist wunderschön. Ich nicke
nur dauernd.
„Ach, Çakir“, sagt sie und
denkt ganz lange nach. „Haben wir nicht irgendwas zusammen
angefangen?“
„Hmhm!“
„Haben wir nicht was angefangen?“
„Stimmt!“
„Womit haben wir angefangen?“
Ich denke nach, und als ich über Öykü
Abla’s Schulter gucke, entdecke ich das Gerät auf dem
Tisch. „Das Gerät!“, rufe ich.
„Die Kassette“, sagt Öykü
Abla, „die Kassette! Na gut, du erzählst, und ich nehme
deine Stimme auf. Du erzählst mir alles. Aber auch wirklich
alles. Und was wollen wir machen, wenn du mit dem Erzählen
fertig bist?“
„Du nimmst meine Stimme in deine Bücher!“
„Bravo!“, sagt sie und lacht ein
wenig. Aber nur ein bisschen. Vielleicht hat sie auch nicht gelacht.
Ich erfinde etwas. Nein, nein, ich erfinde gar nichts. Man darf
nicht lügen. Wer lügt, kommt ins Fegefeuer.
Sie schaut mir in die Augen und sagt: „Soll
man in den Büchern etwa Lügen schreiben?“
Ich weiß nicht, was ich antworten soll.
Am besten stelle ich eine Frage: „Stimmt denn alles, was in
den Büchern steht?“
Öykü Abla denkt nach. Sie denkt intensiv
nach. Wenn sie nachdenkt, hebt sich eine ihre Augenbrauen. „Nicht
alles, was geschrieben wird, ist richtig!“, ruft sie. „Wenn
man aber Lügen schreibt, ist die Lüge auch die Wahrheit
des Buches.“
Ich verstehe überhaupt nichts mehr. Lüge
ist nun mal Lüge. Es kann doch keine Wahrheit der Lüge
geben! Ich denke noch einmal nach: Was stimmt denn eigentlich von
dem, was ich erzählt habe? Aber alles ist doch so. Ich fange
an, es richtig zu erzählen. Dann...
Daher antworte ich: „Aber ich erzähle
doch auf Türkisch. Wenn ich dir alles auf Kurdisch erzählen
würde...“
Das gefällt ihr. Ja, vielleicht, wenn ich
auf Kurdisch erzählen würde. Ich weiß noch nicht
mal, was stimmt, und was gelogen ist. Außerdem sagt sie doch
selbst, dass auch eine Lüge wahr sein kann. Dann soll sie eben
die Lüge zur Wahrheit machen!
„Wenn ich Kurdisch könnte, naja,
dann würdest du auf Kurdisch erzählen! Ich kann es aber
doch nicht!“
Lachend widerspreche ich ihr: „Du kannst
es doch!“
Öykü Abla lacht auch und sagt „Tû
hevalamini!“
„Ja, wir sind Freunde“, antworte
ich und rücke etwas näher an sie heran: „Warum schreibst
du denn ein Buch?“
„Damit die Leute es lesen!“
„Zeitungen sollen sie lesen! Die Ungläubigen
lesen Bücher. Meistens sind es die Ungläubigen, die lesen.
Die anderen lesen nicht. Wenn, dann nur Zeitung!“
Sie lacht: „Zum Teufel mit dieser Lästerei!“
Aber das sagt sie, ohne ärgerlich zu werden. Ich weiß,
wann Öykü Abla wütend wird. „Das sind keine
Ungläubigen, sondern Touristen! Einfach Touristen! Aber du
hast doch Recht. Wir lesen wenig. Das stimmt, aber es gibt auch
Leute, die lesen!“
Sie steht auf, blinzelt, als würde sie
etwas suchen, und schaut aufs Meer. „Na los“, sagt sie,
„bring uns doch mal zwei Tee. Das tut uns jetzt gut.“
Ich renne zur Treppe. Statt nach oben, in die
Küche, gehe ich in Öykü Abla’s Zimmer. Als
ich auf der Außentreppe herunterkomme, lacht Öykü
Abla. Ich lache auch. Wenn Öykü Abla lacht, freue ich
mich.
Die Küche wirkt wie leergefegt. Die Ungläubigen...
als die Touristen kamen, hat Tante Zehra eine Menge Zeug weggeräumt.
Die riesige Küche ist zu groß für uns. Sie hat die
Speisekammer gegenüber der Küche leer geräumt. Wir
haben alles ausgeleert. Die Zimmer sind zu, nicht abgeschlossen,
aber zu. Nur das mittlere Stockwerk ist offen. Da hat sie auch ein
Zimmer. Dort wohnt Öykü Abla. Öykü Ablas Zimmer
ist das schönste und größte. Wo ihr Typ wohnt, weiß
ich nicht. Wenn er da ist, kümmere ich mich nicht um ihn. Ich
habe Angst vor ihm. Ich habe keine Ahnung, wo er schläft. Er
kommt selten hierher. Eine Woche geht vorüber, und eines Tages
ist er da. Manchmal kommt er für zwei Tage. Wenn er hier ist,
gehe ich früh weg. Ich haue ab und gehe zu Hüsnü
oder Dilan. Oder zu meinem Sesselstein.
ich ziehe mir einen Stuhl vor den Schrank. Der
Schrank hier ist hoch. Ich hole zwei Gläser herunter, aber
ich schenke nur einmal Tee ein. Ich mag keinen Tee. Wieder ziehe
ich den Stuhl heran und stelle mein Glas wieder in den Schrank.
Ich laufe los, ohne auf den Tee zu achten. Unter dem Laubengang
merke ich, dass ich wieder etwas verschüttet habe. Ich schaffe
es einfach nicht, den Tee zu tragen, ohne etwas zu verschütten.
Ich trage ihn zwar, aber Öykü Abla’s Tee kann ich
nicht tragen. Wenn ich den Tee für andere Leute trage, verschütte
ich nichts. Aber für Öykü Abla...
Öykü Abla blickt immer noch aufs Meer.
Im Stehen, und mit blinzelnden Augen. Ich stelle den Tee auf dem
Tisch ab. Dann gieße ich den Tee von der Untertasse auf den
Boden. Und in dem Augenblick sehe ich die Geldscheine auf dem Tisch.
Zwei Millionen Lira. Ich fasse das Geld nicht an. Öykü
Abla kehrt zum Tisch zurück. Sie nimmt den Tee, ohne weiter
darauf zu achten. Dann schaut sie wieder aufs Meer. Ohne mich anzusehen,
sagt sie: „Trinkst du nichts?“
„Ich habe schon was getrunken, als ich
gekommen bin.“
„Trink doch noch etwas!“
„Ich mag nicht.“
„Hol doch Cola, oder?“
„Nein“, sage ich, „ich mag
nicht!“
Jetzt stehen wir beide. Mir ist nicht wohl dabei.
„Na, dann gehe ich mal“, sage ich.
„Kommst du morgen wieder?“, fragt
Öykü Abla.
Ihr Typ fällt mir ein.
„Kommt er?“
„Pass bloß auf!“, sagt sie,
wendet sich ab und tut so, als wäre sie ärgerlich. Aber
ich weiß, dass sie mir nicht böse ist. Wenn Öykü
Abla wirklich sauer ist, sagt sie keinen Ton. Das weiß ich.
Sie stellt das leere Teeglas auf dem Tisch ab. „Er hat doch
einen Namen: Murat, jawohl, Murat! Du kannst Murat Abi sagen. Sag
doch einfach Murat Abi! Aber nur ‘er’, was heißt
denn ‘er’?“
Ich bin ganz still. Öykü Abla ist
schön. Und sie ist gut zu mir, sehr gut. Es gibt niemanden
auf der Welt wie Öykü Abla. Wenn er nur nicht wäre.
Ich beachte ihn nicht, ich tue einfach so, als ob er nicht da wäre.
Öykü Abla wartet. Sie wartet darauf,
dass ich etwas sage. Ich sage nichts. Keinen Ton. Soll sie doch
warten, ich rede nicht.
„Na gut“, meint sie, „du kommst
übermorgen. Da du Murat nun mal nicht sehen willst!“
Ich lasse den Laubengang hinter mir und kann
einfach nicht weitergehen, ohne mir den Nussbaum anzuschauen. Auf
dem Weg zum Gartentor spiele ich Himmel und Hölle und hüpfe
über die viereckigen Steine, die dort liegen. In dem Moment
höre ich Öykü Abla’s Stimme: „Çakir!“
Ich bleibe stehen, drehe mich aber nicht sofort
um. Öykü Abla ruft noh einmal: „Çakir!“
Diesmal wende ich mich um. Da sie nichts weiter sagt, gehe ich drei
Schritte auf sie zu. Sie zeigt auf das Geld auf dem Tisch: „Das
ist für dich!“
Ich antworte nichts.
„Warum nimmst du es denn nicht?“
„Ich habe doch gestern schon meinen Wochenlohn
bekommen!“
„Habe ich ihn dir schon gegeben? Das habe
ich ganz vergessen!“, ruft sie. Ich weiß nicht, ob sie
das ernst meint. „Du hast mir das Geld doch schon gegeben!“,
rufe ich.
„Wie auch immer“, sie lacht, „nimm’s
dir doch, das ist deins.“
Das geht doch nicht. Wenn man eine Woche lang
arbeitet, kriegt man Geld für eine Woche. Ich habe mein Geld
doch schon bekommen. Mir ist Geld egal. Es ist mir egal, aber ich
muss auf das Geld achten. Meine Mutter würde sich darüber
freuen. Sie würde sich freuen, aber ich habe das Geld doch
schon gekriegt. Ich stecke meine Hände in die Hosentaschen.
Dann schaue ich Öykü Abla an. Als ich sie ansehe, wird
mir angst und bange. Ich wusste doch, dass Öykü Abla mir
böse ist, sehr böse. Soll sie mir nur böse sein,
wenn ich das Geld nicht nehme. Öykü Abla’s Stimme
klingt ganz komisch: „Nimm’s, sage ich, nimm’s
und steck’s in die Hosentasche!“
Ich nehme die Hände nicht aus den Taschen,
nein, das tue ich nicht. Öykü Abla läuft mir entgegen.
Sie bückt sich, packt mich an den Schultern und schüttelt
mich. Ohne die Stimme zu heben, schreit sie: „Nimm’s
doch, nimm’s, sage ich, das ist für dich!“
Ich blicke zu Boden. Kätzchen kommt unter
dem Tisch hervor und blickt mich bitterböse an. Dann geht es
auch unter den Granatapfelbaum und setzt sich auf meinen Sack. Ich
bin sauer auf das Kätzchen. Diese Katze mag mich nicht. Das
Kätzchen mag überhaupt niemanden. Es mag nur Öykü
Abla. Ich mag es auch nicht. Überhaupt nicht. Ich dränge
es nicht unter den Granatapfelbaum.
„Warum nimmst du es denn nicht?“
Öykü Abla schüttelt mich durch
und durch. Sie tut meinen Armen weh. Ich sage nichts., ganz und
gar nichts. Ich lache. Als ich lache, schüttelt sie mich noch
mehr. Und sie tut meinen Armen noch mehr weh. Soll sie mir doch
weh tun. Ich sage nichts zu Öykü Abla. Wenn es Hüsnü
wäre, wäre das etwas anderes... Mit Hüsnü würde
ich mich prügeln. Ich würde ihn hauen, und er würde
es mit mir genauso machen. Er würde mich noch viel mehr schlagen.
Er ist älter als ich. Aber was soll’s, ich würde
ihn auch hauen...
Ihre Stimme wird sehr laut. Sie schreit nicht,
aber ihre Stimme ist böse. Ihre Stimme fährt an meinem
Gesicht vorbei, und meine Wange brennt ein bisschen. Die Ohrfeige
tut nicht weh, aber sie brennt. Am schlimmsten aber ist ihre böse
Stimme. Ich schüttle mich ein wenig, aber ich nehme die Hände
nicht aus den Taschen. Öykü Abla rennt zum Tisch, nimmt
die Geldscheine und zerreißt sie in tausendundein kleine Fetzen.
Das tut mir schrecklich leid. Wie hätte sich meine Mutter darüber
gefreut! Schade um das Geld. Aber es ist mir egal. Ich sehe es.
Wenn mein Vater mir eine Ohrfeige gibt, tut
es weh; wenn meine Mutter mich schlägt, tut es auch weh. Es
tut furchtbar weh. Mein Gesicht tut weh. Die Stellen, die sie geschlagen
haben, tun weh. Meine Mutter schlägt mich oft, mein Vater selten.
Wenn er mich aber schlägt, tut das sehr weh. Viel mehr als
bei meiner Mutter. Die Stellen, die sie geschlagen haben, tun weh.
Jetzt tut meine Wange nicht weh. Die Stelle, auf die Öykü
Abla geschlagen hat, tut gar nicht weh. Mein Hals tut mir weh. Er
tut eigentlich nicht weh, sondern brennt. Es grummelt mir im Magen.
Außerdem brennen meine Augen. Mir ist, als müsste ich
weinen.
Ich drehe mich um und laufe los, ohne die Hände
aus den Hosentaschen zu nehmen. das Gartentor ist offen. Hinter
mir höre ich die Stimme von Öykü Abla. Sie ruft:
„Çakir, Çakir!“ Ich wende mich nicht um. Das
will ich einfach nicht. Wenn ich jetzt kehrtmachen würde, würde
Öykü Abla mich umarmen, und ich würde ihre angenehme
Wärme in mich aufnehmen. Ihre Wärme würde mich umhüllen.
Ihre Wärme ist so etwas Wunderbares, dass ich es gar nicht
erzählen kann. Aber ich mache nicht kehrt. Wenn man dich geohrfeigt
hat, gibt es keine Umkehr. Man dreht sich vielleicht um, aber du
würdest weinen, daher ist es besser, sich nicht umzuwenden.
Ich will es nicht, aber die Tränen strömen mir übers
Gesicht.
Ich gehe durch den Olivenhain; das ist eine
Abkürzung, und ich schaue mir die Sonne an. Sie ist fast bis
aufs Meer gekippt. Aber sie braucht noch lange, bis sie auf dem
Wasser landet. Jetzt hat sie dieselbe Höhe wie das Paradies.
Ich nenne das Wasser Ozean; Öykü Abla sagt „Meer“.
Ich habe es mir anders überlegt und gehe
doch nicht durch den Olivenhain. Stattdessen gehe ich zu meinem
Stein. Ich habe Sehnsucht nach meinem Sesselstein, setze mich dorthin
und blicke aufs Meer. Und ich ziehe meine Gummischleuder unter dem
Stein hervor. Ich schleudere keine Steine auf Vöge und suche
mir eine Zielscheibe. Dann schleudere ich sie doch auf die Vögel.
Sie hat mich doch wirklich geohrfeigt! Aber ich habe ja auch nicht
das getan, was sie wollte. Ich schleudere Steine auf die Vögel,
ich jage sie und reiße ihnen die Köpfe ab. Wenn sie gehenkt
werden, dehnen sich ihre Hälse.
Ich pinkle an die Mauer des eingestürzten
Hauses und gehe weiter. Von weitem sieht man meinen Sesselstein.
Ich bleibe stehen und sehe ihn mir genau an. Die Krebse fallen mir
ein, und ich klettere auf die Felsen. Jetzt hocke ich an dem ausgehöhlten
Felsen, der aussieht wie ein halber Kochtopf. Das ist das Schlupfloch
der Krebse. Bevor ich zu meinem Stein gehe, werfe ich einen Blick
auf die Krebse. Nicht jedes Mal gehe ich dorthin, aber doch immer
mal wieder. Ich fürchte mich vor den Krebsen, vor allem vor
ihren Zangen. Aber sie haben auch Angst vor mir. Wenn sie mich sehen,
gehen sie ins Wasser. Wenn ich mich auf den nassen Felsen setze
und auf sie warte, ohne auch nur einen Laut von mir zu geben, kommen
sie wieder. Und ich beobachte sie. Aber heute habe ich keine Lust
dazu. Ich klettere über den Felsen und schlage auf seine Spitze
ein.
Den Sesselstein mag ich am liebsten. Nein, nein,
nicht den Stein, Öykü Abla habe ich am liebsten. Oder?
Ich habe das nicht so gemeint. Am meisten liebe ich meinen Vater,
dann Dilan, dann meine Mutter und dann Öykü Abla. Aber
mit Öykü Abla ist es etwas anderes. Öykü Abla
ist doch wunderschön! Öykü Abla hat doch so eine
innige Wärme! Meine Öykü Abla duftet doch so herrlich!
Aus de m Türkischen von Monika Carbe
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