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Die Sterne sprangen fast wie Kängurus
Aufmerksam lauschende Kinder im Landratsamt bei Märchenerzähler
Habib Bektas
Erding (vev) – Was passiert, wenn sich die kleine Shirin
einen „Kinderbaum“ mit bunten Kugeln und glitzernden
Kugeln wünscht, wo doch ihre Eltern Moslems sind und Weihnachten
ein Fest der Christen ist? Shirin lebt mit ihren Eltern in Deutschland,
ist ein Kind zwischen beiden Kulturen. Der türkische Märchenerzähler
Habib Bektas erzählte im großen Sitzungssaal im Landratsamt
ihre Geschichte, die aus seiner eigenen Feder stammt. Zum Tag der
internationalen Begegnung war er von Erlangen nach Erding gekommen.
Shirins Wunsch nach einem Weihnachtsbaum können ihr die Eltern
nicht erfüllen. Sie erklären, dass Moslems, auch wenn
sie in Deutschland leben, ihre kulturelle Identität zu bewahren
suchen, ihre eigenen Sitten und Bräuche pflegen. Für die
romantische Shirin ist das kein Trost. Traurig geht sie in die Natur.
Mit lyrischen und zugleich originellen Bildern, wie sie wohl Kinder
tatsächlich im Kopf haben können, beschrieb Bektas Shirins
Naturwahrnehmung. „Die Sterne sprangen fast wie Kängurus“.
Die Botschaft der Geschichte ist klar: Am besten ist es, die Feste
gemeinsam zu feiern, sich von unterschiedlichen Kulturkreisen inspirieren
zu lassen, offen zu bleiben für das Fremde ohne ängstliche
Abgrenzung.
Habib Bektas war kein distanzierter Erzähler. Er suchte sofort
das Gespräch zu den aufmerksam lauschenden Kindern, beantwortete
Fragen und stellte auch selbst welche an die kleinen Zuhörer,
die offensichtlich sofort Vertrauen zu dem sympathischen Märchenerzähler
gewannen.
Am eindrucksvollsten zeigte sich das an der spontanen Reaktion eines
kleinen Mädchens. Unbefangen ging es zu Habib Bektas, ließ
sich von ihm in den Arm nehmen und wisperte ihm ihre eigene Geschichte
ins Ohr.
Auch Gedichte wurden von Habib Bektas vorgelesen, wobei er seine
religiöse Bindung offenbarte. So hieß es unter anderem:
„Die schönsten Menschen bleiben immer etwas Kind und
Gott ist am meisten Kind“. Schön war es jedenfalls mitzuerleben,
dass die Kinder trotz vielseitiger Freizeitangebote im Sitzungssaal
zur Ruhe kamen und tatsächlich zuhören konnten.
Erdinger Anzeiger
28. Juni 1995
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