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Metin macht Geschichten
Bereits auf der ersten Seite wird der Leser/die Leserin mitten
in die Handlung aufgenommen: Wir befinden uns an einem strahlend
sonnigen Tag im Klassenzimmer einer Schule, ein paar Minuten vor
dem Klingelzeichen, das diesmal die Osterferien einläuten wird.
-Endlich- die Kinder strömen lärmend heraus, brechen in
glückliches Gelächter aus, sie freuen sich auf die nun
vor ihnen liegende freie Zeit. Unter Ihnen befindet sich Metin,
der etwa 12 jährige Held des Buches, der sich eine erstaunliche
Aufgabe für die Ferienzeit gesetzt hat: Er möchte ein
Buch mit Erzählungen wie ein echter Schriftsteller schreiben.
Diesen Plan setzt er sogleich in die Tat um und zieht sich während
der gesamten Osterferien in sein Zimmer zurück, mit dem Resultat,
11 Erzählungen vorweisen zu können. Jedes mal, wenn er
eine Geschichte zu seiner Zufriedenheit abschließen konnte,
Stellte er sie seiner Mutter zur Begutachtung vor, so dass der Leser,
die Leserin immer wieder am Leben dieser türkischen Familie
teilhaben kann.
Herr Bektas versteht es gekonnt, besonders durch seine poetische,
immer wieder mit Metaphern durchzogene Sprache, tief in die Gefühls-
Phantasie- und Gedankenwelt der Kinder einzudringen.
Dem/der erwachsenen Leser/in wird dadurch immer wieder ein Spiegel
bezüglich Ihres Umgangs mit Kindern vorgehalten, besonders
mit nichtdeutschen Kindern.
Die Verarbeitung des alltäglichen Rassismus gelingt sehr sensibel,
den Kulturschock eines gerade aus einem türkischen Dorf kommenden
Mädchens wird hautnah erlebbar und bewusst gemacht. Hierarchisches
Denken und deutsches Überlegenheitsgefühl werden transparent,
aber nie mit erhobenem Zeigefinger, sondern durchaus selbstkritisch
auf seine Landsleute bezogen.
Damit möchte er sie auffordern, selbst einige Verhaltensmuster
zu überdenken und somit Ihrerseits eine Brücke zu den
unterschiedlichen Kulturen bauen zu helfen.
Durch einen Ausflug einer Schulklasse nach Paris weist er auf eurozentristische
Denkschemata hin. An der Grenze erfährt ein türkischer
Junge, welche Erniedrigung und Demütigung er erdulden muss,
nur weil er einen türkischen und keinen deutschen Pass vorweisen
kann und das, obwohl er in Deutschland geboren wurde und zu seinem
Heimatland kaum mehr eine Beziehung hat, also zwischen allen Kulturen
leben muss.
Dieses Buch gilt als Empfehlung für alle diejenigen, die meinen,
durch interkulturelle Erziehung, geprägt von gegenseitiger
Toleranz und Respekt vor der Würde des Menschen und Abbau von
hierarchischen Denkstrukturen einen Beitrag für die Beseitigung
von Vorurteilen und Rassismus leisten zu wollen.
Nicola Derrien
18.Juli 1994
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Kinder- und Jugendbücher zum Thema Exil
„Metin macht Geschichten“ ,das Kinderbuch eines in
Deutschland lebenden Türken, ist hingegen eine Entdeckung rundum.
Dabei wirkt die poetische Idee zunächst banal:
Metin, ein türkischer Schuljunge hierzulande, erlebt eine Autorenlesung,
beschließt daraufhin, Schriftsteller zu werden und macht sich
zu Beginn der Osterferien umgehend ans Werk. Was wird er zustande
bringen?, fragt man sich halb belustigt, halb gespannt. Und dann
liest Metin am ersten Abend Mutter und Schwester ein Märchen
vor, das diese allerdings vom Großvater zu kennen glauben.
Am zweiten Abend bietet er eine Fabel, die keine von beiden zuvor
gehört hatte. Und spätestens am dritten Abend bereift
man: Der hier vorliest, was er tagsüber aufgeschrieben- das
ist ja ein Sohn der Scheherezade, ein Zauberer, der die Gestalt
dieses Metin angenommen hat!
Und was für Geschichten er macht! Mittlerweile spielen sie
hier, in der neuen Heimat, so die Geschichte vom „Falschen
Osterhasen“, der bemalte Eier beileibe nicht für einen
Hergelaufenen versteckt. Abend für Abend gibt es Überraschungen,
und das Geschehen unterdessen ist nicht etwa ein schmalbrüstiger
Vorspann; variationsreich und locker mit den Geschichten verflochten,
skizziert es eine türkische Familie in Deutschland und weitaus
mehr- im Wassertropfen ein Abbild der Welt.
Übrigens schmückte den Prospekt des Verlages- wen wundert
`s? –nicht eine Illustration zu Bektas` herausragenden Buch,
sondern das Bildnis eines Bibers mit Schiffermütze. Diese neckische
Figur in der Nachfolge der Micky Mouse sitzt hier auf einer Alpenseeterrasse
in Gesellschaft ähnlich neckischer Figuren, geplagt von der
alptraumartigen Angst, riesige Schiffe könnten kommen, Schiffe
voller großer, fremder Tiere, welche die schöne Biberburg
samt Seeterrasse zertrampeln .- Ein Bilderbuch ab 4 Jahren.
Habib Bektas: Metin macht Geschichten.
Boje Verlag, Erlangen. 133 Seiten, geb.,
16,80 DM
Neues Deutschland
Druckerei und Verlag GmbH
Franz- Mehring- Platz 1
10243 Berlin
Neues Deutschland
Sozialistische Tageszeitung
10.Juni 1994
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Habib Bektas : Metin macht Geschichten,
Boje, 1994
Auf ganz besondere Weise stellt der Autor das Problem „Ausländer
in Deutschland“ dar und zeigt in Metin einen Jungen auf, dessen
Eltern Türken sind, er mit Ihnen zu Hause auch türkisch
spricht, aber sich vollständig im deutschen Sprachraum zurechtfindet.
Seine Idee, nach dem Vorbild eines Schriftstellers, den er kennen
gelernt hat, selbst Geschichten zu schreiben, führt hier zur
Darstellung der Probleme, die ausländische Kinder in Deutschland
haben können, führt aber auch zu einer Diskussion mit
seinen Eltern, um die in den Geschichten geschilderten Zustände
zu verbessern.
Beginnend mit der türkischen oralen Überlieferung, die
er von seinen türkischen Großeltern her kennt, lässt
er den Leser in drei Geschichten zunächst Einblick in die türkische
Wesensart gewinnen, ehe er dann seine eigenen Erlebnisse in Deutschland
in Geschichten umbildet und von Schwierigkeiten in der Arbeitsbeschaffung,
von Schwierigkeiten, vom Fest Osten der deutschen Kinder ausgeschlossen
zu sein, bis zu sprachlichen Konflikten hin schildert.
Insgesamt aber zeigt er in all seinen Geschichten auf, welche Schwierigkeiten
für ein Kind entstehen, das gleichsam in zwei Kulturen aufwächst,
äußerlich zwar integriert ist, aber immer wieder erfahren
muß, dass Schwierigkeiten auftauchen, die eine völlige
Assimilation unmöglich machen.
Damit aber dürfte der Leser des Buches einmal Einblick in
die türkische Mentalität gewinnen, dürfte mit Problemen
konfrontiert werden, die ähnlich den seinen sind, aber auch
sehen, welche Schwierigkeiten – bewußt oder unbewußt
verursacht – ausländischen Kindern in Deutschland gemacht
werden!
Prof. Dr. Sigrid Lichtenberger
Universität des Saarlandes, FR 8.1
Postfach 15 11 50
66041 Saarbrücken
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