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Fotos: ©Bernd Böhner
aktualisiert am: 13.05.2003 14:25


Bibliografie

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Metin macht Geschichten

Bereits auf der ersten Seite wird der Leser/die Leserin mitten in die Handlung aufgenommen: Wir befinden uns an einem strahlend sonnigen Tag im Klassenzimmer einer Schule, ein paar Minuten vor dem Klingelzeichen, das diesmal die Osterferien einläuten wird.
-Endlich- die Kinder strömen lärmend heraus, brechen in glückliches Gelächter aus, sie freuen sich auf die nun vor ihnen liegende freie Zeit. Unter Ihnen befindet sich Metin, der etwa 12 jährige Held des Buches, der sich eine erstaunliche Aufgabe für die Ferienzeit gesetzt hat: Er möchte ein Buch mit Erzählungen wie ein echter Schriftsteller schreiben. Diesen Plan setzt er sogleich in die Tat um und zieht sich während der gesamten Osterferien in sein Zimmer zurück, mit dem Resultat, 11 Erzählungen vorweisen zu können. Jedes mal, wenn er eine Geschichte zu seiner Zufriedenheit abschließen konnte, Stellte er sie seiner Mutter zur Begutachtung vor, so dass der Leser, die Leserin immer wieder am Leben dieser türkischen Familie teilhaben kann.
Herr Bektas versteht es gekonnt, besonders durch seine poetische, immer wieder mit Metaphern durchzogene Sprache, tief in die Gefühls- Phantasie- und Gedankenwelt der Kinder einzudringen.
Dem/der erwachsenen Leser/in wird dadurch immer wieder ein Spiegel bezüglich Ihres Umgangs mit Kindern vorgehalten, besonders mit nichtdeutschen Kindern.
Die Verarbeitung des alltäglichen Rassismus gelingt sehr sensibel, den Kulturschock eines gerade aus einem türkischen Dorf kommenden Mädchens wird hautnah erlebbar und bewusst gemacht. Hierarchisches Denken und deutsches Überlegenheitsgefühl werden transparent, aber nie mit erhobenem Zeigefinger, sondern durchaus selbstkritisch auf seine Landsleute bezogen.
Damit möchte er sie auffordern, selbst einige Verhaltensmuster zu überdenken und somit Ihrerseits eine Brücke zu den unterschiedlichen Kulturen bauen zu helfen.
Durch einen Ausflug einer Schulklasse nach Paris weist er auf eurozentristische Denkschemata hin. An der Grenze erfährt ein türkischer Junge, welche Erniedrigung und Demütigung er erdulden muss, nur weil er einen türkischen und keinen deutschen Pass vorweisen kann und das, obwohl er in Deutschland geboren wurde und zu seinem Heimatland kaum mehr eine Beziehung hat, also zwischen allen Kulturen leben muss.
Dieses Buch gilt als Empfehlung für alle diejenigen, die meinen, durch interkulturelle Erziehung, geprägt von gegenseitiger Toleranz und Respekt vor der Würde des Menschen und Abbau von hierarchischen Denkstrukturen einen Beitrag für die Beseitigung von Vorurteilen und Rassismus leisten zu wollen.

Nicola Derrien
18.Juli 1994


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Kinder- und Jugendbücher zum Thema Exil

„Metin macht Geschichten“ ,das Kinderbuch eines in Deutschland lebenden Türken, ist hingegen eine Entdeckung rundum. Dabei wirkt die poetische Idee zunächst banal:
Metin, ein türkischer Schuljunge hierzulande, erlebt eine Autorenlesung, beschließt daraufhin, Schriftsteller zu werden und macht sich zu Beginn der Osterferien umgehend ans Werk. Was wird er zustande bringen?, fragt man sich halb belustigt, halb gespannt. Und dann liest Metin am ersten Abend Mutter und Schwester ein Märchen vor, das diese allerdings vom Großvater zu kennen glauben. Am zweiten Abend bietet er eine Fabel, die keine von beiden zuvor gehört hatte. Und spätestens am dritten Abend bereift man: Der hier vorliest, was er tagsüber aufgeschrieben- das ist ja ein Sohn der Scheherezade, ein Zauberer, der die Gestalt dieses Metin angenommen hat!
Und was für Geschichten er macht! Mittlerweile spielen sie hier, in der neuen Heimat, so die Geschichte vom „Falschen Osterhasen“, der bemalte Eier beileibe nicht für einen Hergelaufenen versteckt. Abend für Abend gibt es Überraschungen, und das Geschehen unterdessen ist nicht etwa ein schmalbrüstiger Vorspann; variationsreich und locker mit den Geschichten verflochten, skizziert es eine türkische Familie in Deutschland und weitaus mehr- im Wassertropfen ein Abbild der Welt.
Übrigens schmückte den Prospekt des Verlages- wen wundert `s? –nicht eine Illustration zu Bektas` herausragenden Buch, sondern das Bildnis eines Bibers mit Schiffermütze. Diese neckische Figur in der Nachfolge der Micky Mouse sitzt hier auf einer Alpenseeterrasse in Gesellschaft ähnlich neckischer Figuren, geplagt von der alptraumartigen Angst, riesige Schiffe könnten kommen, Schiffe voller großer, fremder Tiere, welche die schöne Biberburg samt Seeterrasse zertrampeln .- Ein Bilderbuch ab 4 Jahren.

Habib Bektas: Metin macht Geschichten.
Boje Verlag, Erlangen. 133 Seiten, geb.,
16,80 DM

Neues Deutschland
Druckerei und Verlag GmbH
Franz- Mehring- Platz 1
10243 Berlin

Neues Deutschland
Sozialistische Tageszeitung
10.Juni 1994

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Habib Bektas : Metin macht Geschichten,

Boje, 1994

Auf ganz besondere Weise stellt der Autor das Problem „Ausländer in Deutschland“ dar und zeigt in Metin einen Jungen auf, dessen Eltern Türken sind, er mit Ihnen zu Hause auch türkisch spricht, aber sich vollständig im deutschen Sprachraum zurechtfindet.

Seine Idee, nach dem Vorbild eines Schriftstellers, den er kennen gelernt hat, selbst Geschichten zu schreiben, führt hier zur Darstellung der Probleme, die ausländische Kinder in Deutschland haben können, führt aber auch zu einer Diskussion mit seinen Eltern, um die in den Geschichten geschilderten Zustände zu verbessern.

Beginnend mit der türkischen oralen Überlieferung, die er von seinen türkischen Großeltern her kennt, lässt er den Leser in drei Geschichten zunächst Einblick in die türkische Wesensart gewinnen, ehe er dann seine eigenen Erlebnisse in Deutschland in Geschichten umbildet und von Schwierigkeiten in der Arbeitsbeschaffung, von Schwierigkeiten, vom Fest Osten der deutschen Kinder ausgeschlossen zu sein, bis zu sprachlichen Konflikten hin schildert.

Insgesamt aber zeigt er in all seinen Geschichten auf, welche Schwierigkeiten für ein Kind entstehen, das gleichsam in zwei Kulturen aufwächst, äußerlich zwar integriert ist, aber immer wieder erfahren muß, dass Schwierigkeiten auftauchen, die eine völlige Assimilation unmöglich machen.

Damit aber dürfte der Leser des Buches einmal Einblick in die türkische Mentalität gewinnen, dürfte mit Problemen konfrontiert werden, die ähnlich den seinen sind, aber auch sehen, welche Schwierigkeiten – bewußt oder unbewußt verursacht – ausländischen Kindern in Deutschland gemacht werden!

Prof. Dr. Sigrid Lichtenberger
Universität des Saarlandes, FR 8.1
Postfach 15 11 50
66041 Saarbrücken


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