Startseite
aktuell
Bibiografie
Kritiken
Leseproben
über Habib Bektas
kontakt
Fotos: ©Bernd Böhner
aktualisiert am: 01.12.2005 10:47


Bibliografie

nächstes Buch vorheriges Buch     >>

Das Länderspiel

...
Bektas zeigt sich in den fünf Erzählungen als ein behutsamer, sanfter Erzähler. Er liebt es, weichgezeichnete Atmosphäre zu schaffen, hinter der sich die Härten des Lebens eher verstecken, als dass sie auftrumpfen dürften. Kein Zufall vielleicht, dass drei der Erzählungen aus Weiblicher Perspektive geschrieben sind, mit großer Einfühlungsgabe.
Die Situationen, die Betas erzählt, spielen unter Türken in Deutschland. Doch ihr Thema ist nicht so sehr, wie man vermuten konnte, die Konfrontation von Türken und Einheimischen. Sie kommt eher am Rande vor. Es werden die Schwierigkeiten erfasst, die die Immigranten miteinander hier in der Fremde haben, die herrühren aus den verschiedenen Graden von Anpassung, von Eingewöhnung, von Aufgabe der Herkunft. Am schmerzhaftesten sind die Risse, wie sie Bektas zwischen türkischen Ehepaaren aufspürt und leise inszeniert.
...
Von diesen untergründigen, ganz alltäglichen Katastrophen erzählt Habib Bektas in einer einfachen, schmucklosen, fast Kargen Sprache. Manchmal klingt sogar eine liebenswerte Schüchternheit darin auf.
...
Das Experiment des Habib Bektas, sich wirklich auf die Zwischenstellung zwischen Türkei und Deutschland einzulassen, die ihm sein Lebenslauf zugespielt hat, überzeugt mich in seiner Ehrlichkeit. Ich erwarte davon eine "grenzenlose" Literatur, die sowohl den Lesern in der Türkei wie in Deutschland über das Fremde zwischen uns , über das Gemeinsame und je Eigene die Augen öffnen kann - so sachte, wie nur Literatur dazu imstande ist.
Michael Zeller
Nürnberger Nachrichten 22.05.1991

nächstes Buch vorheriges Buch     >>

...
Bektas überrascht mich, denn bei ihm geht es nicht um die Gegenüberstellung von deutschen und türkischen Lebensweisen. Vielmehr zeigen seine Kurzgeschichten, dass es keine Rolle spielt, wo man geboren ist, auch zu Hause kann man sich Fremd fühlen; entscheidend ist, mit welchen Menschen man zusammenkommt. Diese Aussage formuliert der 39jährige, indem er scheinbar banale Lebenssituationen seiner Figuren zu einem dichten Netzwerk geistiger Momentaufnahmen spinnt. Dabei stimmt er die Saiten des Erzählungsinstruments so zart, präzise und vielschichtig, aber ohne artifiziellen Firlefanz, dass sich die Plots der Kurzgeschichten zu Klangkörpern polyphoner Seelentöne formen - eine meisterhafte Schau des inneren Auges. So verständigen sich in "Der Garten" ein Deutscher und ein Türke rein innerlich, nur mit den Augen, ohne Worte, denn keiner versteht die Sprache der Anderen. Diese nonverbale Kommunikation ermöglicht die verbindende Mutter Erde - Sinnbild für eine mögliche grenzenlose Seelenverwandtschaft zwischen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten.
Verständnis und Zärtlichkeit bei ihrem türkischen Mann vermisst eine türkische Frau in "Komme ich zu spät?" Diese Erzählung klagt die dominierenden männlichen Strukturen in der Türkei an. Hut ab vor Bektas, ehrlicher hätte selbst eine türkische Frau ihre Unterdrückung nicht schildern können.
...
Die Titelgeschichte schildert, wie ein Türke die eigene Verfremdung in der Fremde und in der Heimat erlebt.
...
Leben kann man überall. Fatalismus ist bei Bektas fehl am Platz. Das Leben strahlt auf jeden so zurück, wie der einzelne seinen Schatten darauf wirft.
Oya Liebl.
Plärrer Nr.3 März 1991
nächstes Buch vorheriges Buch nach oben   >>
webmaster@habibbektas.com
zurück zur Startseite
nach oben
©Ralf Bergmann