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Das Länderspiel
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Bektas zeigt sich in den fünf Erzählungen als ein behutsamer,
sanfter Erzähler. Er liebt es, weichgezeichnete Atmosphäre
zu schaffen, hinter der sich die Härten des Lebens eher verstecken,
als dass sie auftrumpfen dürften. Kein Zufall vielleicht, dass
drei der Erzählungen aus Weiblicher Perspektive geschrieben
sind, mit großer Einfühlungsgabe.
Die Situationen, die Betas erzählt, spielen unter Türken
in Deutschland. Doch ihr Thema ist nicht so sehr, wie man vermuten
konnte, die Konfrontation von Türken und Einheimischen. Sie
kommt eher am Rande vor. Es werden die Schwierigkeiten erfasst,
die die Immigranten miteinander hier in der Fremde haben, die herrühren
aus den verschiedenen Graden von Anpassung, von Eingewöhnung,
von Aufgabe der Herkunft. Am schmerzhaftesten sind die Risse, wie
sie Bektas zwischen türkischen Ehepaaren aufspürt und
leise inszeniert.
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Von diesen untergründigen, ganz alltäglichen Katastrophen
erzählt Habib Bektas in einer einfachen, schmucklosen, fast
Kargen Sprache. Manchmal klingt sogar eine liebenswerte Schüchternheit
darin auf.
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Das Experiment des Habib Bektas, sich wirklich auf die Zwischenstellung
zwischen Türkei und Deutschland einzulassen, die ihm sein Lebenslauf
zugespielt hat, überzeugt mich in seiner Ehrlichkeit. Ich erwarte
davon eine "grenzenlose" Literatur, die sowohl den Lesern
in der Türkei wie in Deutschland über das Fremde zwischen
uns , über das Gemeinsame und je Eigene die Augen öffnen
kann - so sachte, wie nur Literatur dazu imstande ist.
Michael Zeller
Nürnberger Nachrichten 22.05.1991
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Bektas überrascht mich, denn bei ihm geht es nicht um die Gegenüberstellung
von deutschen und türkischen Lebensweisen. Vielmehr zeigen seine
Kurzgeschichten, dass es keine Rolle spielt, wo man geboren ist, auch
zu Hause kann man sich Fremd fühlen; entscheidend ist, mit welchen
Menschen man zusammenkommt. Diese Aussage formuliert der 39jährige,
indem er scheinbar banale Lebenssituationen seiner Figuren zu einem
dichten Netzwerk geistiger Momentaufnahmen spinnt. Dabei stimmt er
die Saiten des Erzählungsinstruments so zart, präzise und
vielschichtig, aber ohne artifiziellen Firlefanz, dass sich die Plots
der Kurzgeschichten zu Klangkörpern polyphoner Seelentöne
formen - eine meisterhafte Schau des inneren Auges. So verständigen
sich in "Der Garten" ein Deutscher und ein Türke rein
innerlich, nur mit den Augen, ohne Worte, denn keiner versteht die
Sprache der Anderen. Diese nonverbale Kommunikation ermöglicht
die verbindende Mutter Erde - Sinnbild für eine mögliche
grenzenlose Seelenverwandtschaft zwischen Menschen unterschiedlicher
Nationalitäten.
Verständnis und Zärtlichkeit bei ihrem türkischen Mann
vermisst eine türkische Frau in "Komme ich zu spät?"
Diese Erzählung klagt die dominierenden männlichen Strukturen
in der Türkei an. Hut ab vor Bektas, ehrlicher hätte selbst
eine türkische Frau ihre Unterdrückung nicht schildern können.
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Die Titelgeschichte schildert, wie ein Türke die eigene Verfremdung
in der Fremde und in der Heimat erlebt.
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Leben kann man überall. Fatalismus ist bei Bektas fehl am Platz.
Das Leben strahlt auf jeden so zurück, wie der einzelne seinen
Schatten darauf wirft.
Oya Liebl.
Plärrer Nr.3 März 1991
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