Babel zum Trotz
Menschen lernen in Texten und Bildern leben!
Rezesion: Yüksel Pazarkaya
Habib Bektas und Bernd Böhner dokumentieren
das Leben von Einwanderern in Ihrem neuen gemeinsamen Buch Babel
zum Trotz
Habib Bektas lebt seit 1972 in Erlangen. Er
ist einer der empfindsamsten Dichter der Diaspora – Türken.
Er hat es auch in der Türkei mit seinen Romanen zu Ruhm gebracht
und wichtige Preise erhalten. Der Film Septembersturm (Eylül
Firtinasi) von Ativ Yilmaz basiert auf seinem preisgekrönten
Roman Gölge Kokusu (Der Duft des Schattens).
Bernd Böhner ist 1948 in Bayreuth geboren und zeigt als Fotograf
die Gabe, das menschliche Organ des Sehens ebenso menschlich auf
seine Linse zu übertragen. Es entstehen Bilder des Humanen
in Augenblicken des Lebens und des Treibens, die wie zufällig
gewählt sind. Die festgehaltenen Augenblicke werden jedoch
auf dem Papier zu ästhetischen Gebilden und Gestaltungsmomenten.
Der Dichter und der Fotograf ergänzen sich,
in dem jetzt erschienenen Buch Babel zum Trotz nicht nur thematisch,
sondern auch emotional. Man kann diese Zeilen und Bilder auch Mosaiksteine
der Migrationsgeschichte im letzten halben Jahrhundert sehen. Sie
geben keine Chronologie ab, dafür aber ein Mosaik, das den
Betrachter und Leser mitfühlen lässt. Wenn er dabei den
Eindruck bekommen sollte, das es sich dabei um das Mosaikbild der
ersten Generation handelt, dann sollte er genauer hinschauen, um
die kommenden Generationen darin zu entdecken.
So wie in den Zeilen von Habib Bektas:
„Ich fliege / mit den Flügeln meiner Kindheit / dem Licht
entgegen / in meinen Träumen.“
Der Bezug zum Bild ist symbolkräftig. Ein gehbehinderter Mensch
geht an Stöcken eine Treppe hinunter. Das Bild ergibt zusammen
mit den Zeilen ein Gleichnis von der Lage der Migranten in unseren
mitteleuropäischen Städten.
„Von welcher Stadt ich erzähle, wir wissen es nicht,
/ nicht von welchen Geliebten.“
Freitag 29. November 02
Hürriyet Europa
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