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Fotos: ©Bernd Böhner
aktualisiert am: 21.01.2006 19:39


Bibliografie

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Das Wort ist meine Heimat Geworden
Ein Portrait des Autors Habib Bektas

Der kleine Gastraum des Erlanger Theatercafes ist an diesem späten November – Nachmittag bereits in anheimelndes Halbdunkel gehüllt.
Hinter der Theke hantiert der Inhaber Habib Bektas. Um diese Zeit ist das Theatercafe freilich noch geschlossen: Gelegenheit, ein paar Kleinigkeiten zu kochen für den Abend, für die Freunde. An diesen Ort sind sie alle eine große Familie: die Autoren aus der Region oder die Theaterleute aus dem benachbarten Theater. Da das schreiben bekanntlich selten für das tägliche Brot sorgt, hat sich der Autor Bektas mit dem Theatercafe dennoch die Nähe zu Kunst erhalten: Indem er ein Ambiente schuf, das es ihm ermöglicht, sich trotz Familie und fester Arbeitszeiten dem Schreiben widmen zu können.
Bei uns wurde er durch seine Gedichte bekannt, die bereits in mehreren Bänden erschienen sind. In der Türkei hat er einen Roman veröffentlicht, für den er 1990 mit dem Milliyet – Roman – Preis ausgezeichnet wurde. In ihm beschreibt Bektas das Emigrantenschicksal einer jungen Türkin in Berlin. Unlängst hat Bektas ein Kinderbuch veröffentlicht. Es hat den Titel: „Metin macht Geschichten“. Metin, ein in Deutschland geborener Junge türkischer Eltern, erzählt darin Märchen, wie das vom verkauften lachen oder vom König, der Angst hatte, alt zu werden. Später folgen realistische Geschichten über Lebenssituationen von Immigrantenkindern: über Rifat, der bei der Einreise nach Frankreich kein Visum hat, oder über Sirin, das Türkenmädchen, das ein Osternest haben möchte.
Geboren wurde Bektas 1951 in Salihi, einer türkischen Kleinstadt unweit von Izmir. Mit 13 Jahren fängt er an zu arbeiten, „was ich gerade gefunden habe“. Zugleich beginnt er zu schreiben: erste Veröffentlichung mit 17 in einem Sammelband. 1973 kommt er als Textilarbeiter nach Erlangen. Danach Gelegenheitsarbeiter, Streetworker in der Drogenszene, seit vier Jahren das Theatercafe.
Trotz allem: Er will nicht bleiben. Wenn sein Sohn das Abitur hat, geht er zurück – vielleicht. „Ohne Rückkehrwunsch können die Menschen nicht leben. Es ist die Sehnsucht nach Jugend, nach Orten der Erinnerung.“ Vor allem aber ist es die Sehnsucht nach Sprache, nach seiner Sprache, nach der türkischen Sprache. „Das Wort ist meine Heimat geworden“, schreibt er in dem Gedichtzyklus „Das vergessene Wachsen“. Nein, gefährdet oder irgendwie ausgegrenzt fühlt er sich nicht in Erlangen. Allerdings wird er mit der „positiven Diskriminierung“, wie er es nennt, immer wieder konfrontiert. „Positive Diskriminierung“ heißt für Bektas, dass Dinge, die für Deutsche als selbstverständlich gelten, plötzlich was ganz Besonderes bei jemanden darstellen, der nicht hier geboren wurde.
Plärrer
Januar 1995 Nr. 1


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Kinder an die Macht
Habib Bektas verbindet mit Geschichten Menschen

Erding- „Gott ist am meisten Kind. Nur Kinder können in sieben Tagen eine Welt erschaffen und aus Lehm Menschen“ sagt Habib Bektas. Er ist Geschichtenerzähler und gibt wieder, was er mit wachen Augen rund um sich herum aufnimmt und erlebt.

Bektas stammt aus der Türkei lebt aber mit seiner Familie in Erlangen. Beim „Wochenende der internationalen Begegnung“ las er im Sitzungssaal des Landratsamtes aus seinen Büchern. Sensibel befasst er sich mit dem Zwiespalt, in dem oftmals ausländische Kinder leben.
„Ich habe die Fragen meines Sohnes notiert, er hat mir die Ideen gegeben“ , sagt er.
„Die Türkei, Papa, sagst Du, ist unsere Heimat- aber dort spricht man nicht Deutsch, wie hier bei uns“, wundert sich der Sohn etwa.
Bektas bindet die Kinder in seine Erzählstunde mit ein, lässt sie selbst reden und zieht sie dann wieder mit einer Geschichte in den Bann. Das Mädchen Shiren möchte so gerne an Weihnachten einen „Kinderbaum“, wie ihn alle ihre Schulkameraden zu Hause haben. Doch der Vater, dem die kleine Tochter sonst fast alles abschmeicheln kann, bleibt diesmal fest. Er erklärt der Kleinen geduldig, dass Weihnachten eben nicht das Fest der Moslems ist.
Doch Shiren ist traurig und schleicht sich nachts ins Freie um den Tannenbaum vor dem Haus zu schmücken. Auch die Eltern lassen sich schließlich von ihr überzeugen, wenn sie mit kindlicher Logik einen Handel vorschlägt. „Wenn Weihnachten nicht unser Fest, sondern das der Deutschen ist, dann geben wir den Deutschen ein Stück von unserem Fest und sie geben uns ein Stück Weihnachten “, sagt sie.
Bektas Botschaft ist nicht neu: „Kinder an die Macht“ , eine Forderung, die sogar als Popsong
hinaus geschrieen wurde. Doch wie er sie darbringt, leise und einfühlsam, oft mit einem Schuss Selbstironie, stimmt nachdenklich. Er gibt kein Patentrezept und erhebt keine Forderungen. Doch er zeigt, dass manche Probleme ganz einfach zu lösen wären.
abk
Erdinger Neueste

Lokalteil der süddeutschen Zeitung
Mittwoch, 28. Juni 1995


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Anklopfen und warten
Wort als Heimat: VHS präsentiert Habib Bektas bei interkultureller Woche

Forchheim: Müsste man einen Autor für den interkulturellen Dialog erfinden, sein Name wäre Habib Bektas.
Mit der Einladung des in der Türkei geborenen und in Erlangen lebenden Poeten, der in der Regel in Türkisch, ausnahmsweise aber auch mal ein Deutsches Stück schreibt, ist der Volkshochschule ein Glücksgriff gelungen.
Wolfgang Jahn, Leiter der literarischen Runde der VHS, stellte den Zuhörern mit Bektas einen Lyriker und Romancier vor, der in der Türkei ein Autor von Rang ist und in der hiesigen Region vergleichsweise ein Schattendasein führt.
Das ist wohl Ausdruck eines Dialoges, der ehr nicht stattfindet. Wie Jahn sagt: Integration müsste eben auch heißen, das sich „die Deutschen gelegentlich um die Befindlichkeiten der Nicht- Deutschen kümmern.“ Die „Weltaufgeschlossenheit früherer Generationen“, so Jahn (er erinnert an den großen Lyriker und Orientalisten Friedrich Rückert), könnte Ansporn sein, in der Gegenwart „die geistige Globalisierung zu wagen.“
Kleine regionale Schritte hin zu dieser Globalisierung unternahm Habib Bektas im leider nur halb gefüllten VHS- Saal.
Sein Bedürfnis nach Dialog drückte der 51 jährige auch dadurch aus, das er die Zuhörer wiederholt einlädt, ihn zu unterbrechen und nachzufragen.
Seine „Kindergeschichte für Erwachsene“ schaffte dann rasch jene Atmosphäre der Neugier, die den Dialog entstehen lassen.
Verblüfft über die entwaffnende Einfachheit dieser Poesie und über die „kindliche elementare Kraft“ (Jahn), erkundigten sich die Besucher nach der Entstehungsgeschichte der Geschichte. Und es stellte sich heraus, das auch sie erst durch den Dialog, denk- und schreibbar wurden.
Die Augen der Menschen sind Ihr eigenes Meer .
Solche Sätze hat Habib Bektas nicht direkt dem Kindermund abgelauscht, sie sind natürlich technisch stark bearbeitet.
Als sein Sohn zu sprechen begann, habe er bemerkt, das dieses sprechen in Fragen vor sich geht.
Die schrieb er auf und sprach mit seinem Sohn darüber ;der malte Bilder dazu, die wiederum Gedichte wie dieses illustrieren: Geld ist schmutzig, / sagst du Papa, / aber / du steckst es / so schön in die Tasche.
Wenn Habib Bektas sagt, dass „nur die Kinder die schönsten Gedichte schreiben“ können, so steckt dahinter die Überzeugung, dass ein „kindlicher Kern“ in jedem Erwachsenen erhalten bleibt. Dieser Kern ist die Quelle der Poesie und die wiederum nennt Bektas seine Heimat.
Während der Austausch zwischen Kulturen oft schwer fällt, weil jede Seite zu sehr im eigenen verharrt, findet Bektas erst über das Fremde zum „Maß seiner Sprache“.
Fast scheint es, als wäre der Verlust der Heimat Voraussetzung seines Schreibens: „Wie kann ich vertraut mit dir werden, wenn ich das Fremdsein nicht kenne.“ Oder: „Der Ort den ich suche, ist nicht der den ich kenne.“
Der Schriftsteller Bektas kann sogar soweit gehen, keine geographische Heimat mehr haben zu wollen – „das Wort ist meine Heimat“.
Dieses Thema der Sprachheimat hatte Bektas schon, als er noch an der Ägäis zu Hause war.
Doch in Deutschland sei es ihm noch Bewusster geworden.
Wahrscheinlich ist ihm hier auch Bewusst geworden, das zum Dialog zwischen den Kulturen nicht nur Offenheit, sondern auch viel Geduld gehört:
„Ankommen heißt anklopfen – und warten.“
„Fränkischer Tag“
1. Oktober 02

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„Eine gewisse Arroganz habe ich jetzt!“
Habib Bektas liest in der BlueBox

Paradox: Ein in erlangen lebender Schriftsteller türkischer Herkunft hat inzwischen weniger Probleme, einen griechischen Verlag zu finden als einen Deutschen. Dem dies wiederfährt ist Habib Bektas, im deutschsprachigen Literaturraum kein völlig unbekannter. „Hinterhof des Paradieses“ ist der Titel seines Romans über die Begegnung eines kurdischen Jungen mit einer politisch verfolgten Frau aus Istanbul, der in türkischer Sprache bereits 1999 erschienen ist und ein Jahr später in Griechenland übersetzt wurde. Für diesen Roman erhielt Bektas letztes Jahr in Ankara einen wichtigen Literaturpreis. Und als der große türkische Regisseur Atif Yilmaz seinen Roman „Duft der Schatten“ jüngst auch noch in einen Spielfilm (Septembersturm) verwandelte, war das Maß voll, ein Traum Wirklichkeit geworden für den ehemaligen Nürnberger „Mudra“ – Mitarbeiter. „Eine gewisse Arroganz habe ich jetzt! Aber bitte nicht negativ verstehen! Es ist vielmehr eine Sache des Selbstbewusstseins für mich. Ich lebe zwar in Deutschland, spreche deutsch, aber ich lebe auch stark in der türkischen Sprache. Und, selten genug für einen im Ausland lebenden Schriftsteller: „Ich habe einen Verlag in meiner ursprünglichen Heimat, ich muss nicht jedes Mal wie hier in Deutschland hausieren gehen, wenn ich etwas veröffentlichen will!“ Ein Glücksfall.

Bektas lebt seit 1973 im Fränkischen, zuletzt in Erlangen, wo er das luftige Theatercafe „Garage“ zusammen mit seiner Frau betreibt. Zahlreiche Veröffentlichungen, darunter der schöne Gedichtband „Zaghaft meine Sehnsucht“, trugen ihm Renommee ein als Dichter, der jenseits von Exil – Larmoyanz immer auch eine künstlerische wie existentielle Standortbestimmung betrieb. Kein Zufall, das ein Poet wie Konstantin Kavafis, der zeitlebens in Alexandria lebte, für ihn – freilich nicht nur aus biographischer Identifikation – eine besondere Rolle spielt. Natürlich liest Bektas viel türkische Literatur in seinem Deutschen Umfeld, um über die Sprache in „Tuchfühlung“ mit seiner Herkunft zu bleiben. Fast nichts in seinen Texten hat indes mit „typischer Gastarbeiterliteratur“ zu tun, obwohl auch in seinem neusten Erzählband, der ebenfalls bislang nur in der Türkei vorliegt, Geschichten mit Schauplatz Germany enthalten sind. Bektas ist ein poetischer Realist, dem die Abbildung der Wirklichkeit viel weniger als deren dichterische Gestaltung zu bedeuten scheint. Seine Texte zeugen von Fantasie und von Sehnsüchten, vor allem aber von einem hohen Maß an Menschenverstand, immer in einer schnörkelfreien, konzentrierten Sprache geschrieben. „Sprache“: Jeder seiner Texte entsteht zuerst in Türkisch, dann, mit viel Mühsal und literarisch beschlagen, wenn möglich mit mehrsprachigen Freunden, in deutscher „Nachdichtung“. Eine „Unmöglichkeit“ oft vor allem bei Gedichten: unmöglich deswegen, weil gerade die ursprüngliche „Sprachhaut“ der Poesie nicht einfach in eine andere transplantiert werden kann. „Ich glaube an Geschichten“ heißt sein aktueller Erzählband mit oft verblüffend knappen „Stories“, aus ihm und aus seinen Gedichten liest – und kommentiert – Habib Bektas in der BlueBox.

Jochen Schmoldt

Plärrer
Mai 2001

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Gegen die Vorurteile
Habib Bektas weiter auf Erfolgskurs – Im Frühjahr zwei neue Bücher

Habib Bektas, 1982 mit einem Kulturförderpreis der Erlangen ausgezeichnet, ist weiterhin auf Erfolgskurs. Im März erscheint im Verlag Horlemann in Bad Honnef sein neuer Gedichtband „Zaghaft meine Sehnsucht“, in dem es Ihm, wie es in der Verlagsmitteilung heißt, wieder um die „Hauptwörter des Lebens“ geht: um Liebe, Abschied, Schmerz, Wiedersehen, Vertrautheit, Erdverbundenheit, Nähe zu kindlicher Ursprünglichkeit.
Im Frühjahr kommt auch der neue Roman „Schattengeruch“ in türkischer Sprache im Inkilap- Verlag
in der Türkei heraus.
Das Manuskript für dieses Buch entstand 1995/96 in Erlangen und soll in absehbarer Zeit auch in Deutschland erscheinen. “Schattengeruch“ wurde jetzt, wie bereits kurz berichtet, mit dem erstmals ausgeschriebenen Romanpreis des Inkilap- Verlags ausgezeichnet, der als Traditionsverlag in der Türkei unter anderem für seine Klassikerausgaben bekannt ist. Die Auszeichnung ist umgerechnet mit etwa 7000 Mark dotiert.
Das Leben einer Großfamilie
Die Arbeit von Habib Bektas unter 48 eingereichten Manuskripten als einzige mit dem Romanpreis ausgezeichnet. Der Autor schildert in seinem Roman das Leben einer Großfamilie, gesehen mit den Augen eines Kindes.
Zeitgeschichtlicher Hintergrund ist die politische Situation in der Türkei nach dem Militärputsch 1980.
Habib Bektas erhielt den Preis aus den Händen des Verlegersohns Nazar Fikri im Ballsaals des „Marmara - Hotels“ in Istanbul. In einer kurzen Dankesansprache betonte Bektas, der wahre Gewinner sei nicht der Autor, auch nicht der Verlag, der wahre Gewinner sei die Literatur.
Eine Überraschung
Anlässlich der Preisverleihung erschien in der türkischen Zeitung „Hürriyet“ ein Kommentar. Darin stellt der Verfasser heraus, das die Jurymitglieder ,denen in der türkischen Literatur mächtiger Einfluss zukommt, zum ersten Mal einen bedeutenden Literaturpreis an einen im Ausland lebenden Schriftsteller vergeben haben. Eine besondere Überraschung sei dabei gewesen, dass das übliche Verfahren der Aufteilung des Preises an mehrere Preisträger nicht zum Zuge kam.
Während die in Deutschland lebenden türkischen Autoren in der Türkei bisher immer als Stiefkinder behandelt und als „Deutschlinge“ bezeichnet wurden, galten sie in Deutschland wiederum als Fremde oder als Gastarbeiter- Autoren. Der Verfasser gelangt im Zusammenhang mit der Preisverleihung zu der Meinung, dass mit dem Preis für Habib Bektas möglicherweise nun doch die Vorurteile aufgegeben worden sind. W.g.


ERLANGER KULTUR
Mittwoch,29.Januar 1997

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Feinfühlige Lyrik
Erlanger Autor Habib Bektas liest am Freitag in der Galerie am Gasberg
Mittwoch, 23. September 1998

Schwabach (bgr) – Der mehrfach preisgekrönte Autor Habib Bektas wird am kommenden Freitag, 25. September, in Schwabach lesen. Präsentieren wird sich der Dichter aus Erlangen ab 20.30 Uhr in der neuen Galerie im Gaswerk in der nördlichen Ringstrasse.

Unter dem Titel „Kultur in der Galerie – Lyrik und Musik“ veranstalten die Schwabacher Bündnisgrünen die Lesung, umrahmt von verschiedenen Ensembles der städtischen Musikschule Schwabach.

Habib Bektas, 1951 in Salihi bei Izmir als Sohn eines Landarbeiters geboren, lebt seit 1972 in Deutschland. Er arbeitete in Textil- und Metallfabriken sowie als Streetworker in der Drogenszene.

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Kraft in leisen Tönen

Erlanger Autor Habib Bektas las in Schwabach – Politischer Dichter

Schwabach (stt) – Habib Bektas stammt aus der Türkei und lebt seit 1973 in Erlangen. Sein erstes Gedicht hat der 47 jährige Schriftsteller 1968 in einer türkischen Zeitschrift veröffentlicht und auch in Deutschland schreibt er seit jeher türkisch.

13 Bücher, darunter zwei Romane, hat er in der Türkei veröffentlicht, neun in Deutschland. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um seine türkischen Gedichte, die er zusammen mit einem Freund ins Deutsche überträgt. Die Schwabacher Bündnis – Grünen hatten den türkisch – deutschen Autor jetzt in das „Gaswerk“ zu einer Lesung eingeladen.

„Aus dem Wort, habe ich meine Heimat gemacht“, erklärt Bektas, „Weil nicht nur der Inhalt wichtig ist, sondern auch, wie es in der geschriebenen Sprache klingt.“ Sein Publikum fordert er auf, ihn sofort zu unterbrechen, wenn es Fragen gebe, „damit das hier ein Dialog wird.“

Kein lautes Poltern
Ob er denn auch ein Politischer Dichter sei, lautet eine Frage, und ob er solche Gedichte dabei habe? Bektas denkt kurz nach. Dann trägt er einen seiner Briefe an einen Freund in der Türkei vor. „Unbekannt Verzogen“ ist darauf gestempelt, als der Brief zurück kommt. „Vielleicht sitzt er im Kerker“, lautet die Vermutung des Absenders am Ende des letzten Verses.

Für seine Begriffe, so Bektas, müsse ein politisches Gedicht nicht laut schimpfen. Das sei nicht seine Art. „Ich bin ziemlich leise und nicht bestimmend“, beschreibt er seinen Charakter. „Und wenn ich mit neuen Fragen in die Nähe einer Antwort komme, dann bin ich schon ziemlich zufrieden.“

Als „wunderbar leises, politisches Gedicht“ bezeichnet er die Gedichte von dem Mann, der das wasser auf Paprika, Zwiebeln und Auberginen gleichmäßig verteilt, obwohl er Auberginen gar nicht so gerne isst.

Wunsch nach Demokratie
Gleichwohl sei er durchaus politisch, meint Bektas. In seinem zweiten, in der Türkei erschienenen Roman setzt er sich beispielsweise äußerst kritisch mit dem Putsch des Jahres 1980 auseinander. Für die Zukunft wünscht er sich für sein Heimatland „mehr Demokratie“ und glaubt, „das es weniger Probleme dort gäbe, auch mit den Kurden, wenn sie schon voll hätten“.

Einen ganz anderen Bereich beleuchtet Bektas in seinen „Kindergedichten für Erwachsene“. „Viele Fragen meiner Kinder haben aufgrund ihrer Naivität, Unparteilichkeit und ihres Muts eine ungeheure poetische kraft“.

Onkel Gedicht
Eines seiner Kinder findet, das der Papa besonders menschlich aussehe, wenn er weint. Dann fragt es sich, warum die Türkei denn seine Heimat sei, „wenn man dort nicht deutsch spricht, wie hier bei uns“. Kinder seien wie Gott, meint Bektas, „weil niemand sonst in sieben Tagen die Welt erschaffen oder einen Menschen aus Lehm machen könnte“.

Habib Bektas erzählt auch von einem Vortrag vor türkischen Kindern, die ihm zunächst „gedrückt und nicht vorbereitet auf eine Lesung“ schienen. Nachdem er einige seiner Gedichte gelesen hatte, wurden sie zusehendst offener und interessierter. „Onkel Gedicht – sagte am Ende ein Mädchen voll Zärtlichkeit zu mir“, schildert Bektas die Wirkung der Poesie auf Kinder, „so wie sie Vater und Mutter sagt.“

1.Oktober 1998

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Sachlichkeit und Empathie – Statt Betroffenheit: Habib Bektas

Von Bahar Rasmussen

„Manche Menschen kennen die Arten der Gräser/oder der Fische,/ich kenne die Arten der Einsamkeit“, heißt es in Nâzim Hikmets Gedicht Otobiografi – Autobiografie, das er 1961, zwei Jahre vor seinem Tod, in Berlin schrieb.

In seiner Lyrik und Prosa definiert Habib Bektas seine Arten der Einsamkeit näher, und wie Nâzim Hikmet spricht er nicht nur für sich. Der Verfasser von Gedichten, Romanen, Erzählungen und Kinderbüchern beschäftigt sich in seinen texten mit der Türkei und dem Lebensgefühl der zweiten und dritten Migrantengeneration in einem Land wie Deutschland – und einem Zwischenland, der Fremde, die überall zu spüren ist. Und dennoch sind es keine Klagelieder, die er anstimmt, es ist keine Betroffenheitsduselei, sondern er nährt sich seinen Themen vorsichtig und geduldig, beschreibt genau, in klarer, eindeutiger Sprache, entnimmt seine Stoffe der Realität und formt sie um, entwirft fiktive Welten, mit hintergründigen Humor, aber auch hart und unnachsichtig, wenn es um kaum zu glaubende Fakten geht.

Sein erster Roman, Hamriyanim – Eine Figur aus Teig,1989 in Istanbul erschienen, spielt in Berlin der achtziger Jahre, unter Türken und Deutschen, unter Flüchtlingen und ArbeiterInnen, die sich mit der Realität irgendwie arrangieren – und StundentInnen, für die „Integration“ zum Schlagwort für ihre Dissertation wird und die Studien am lebenden Objekt treiben. Im Mittelpunkt steht Fatma, die sich jene Figur aus Teig schafft, um eine Gesprächspartnerin zu haben. Eine Gegenwelt, aus Fantasien und Erinnerungen zusammengesetzt, muss dazu dienen, ihr das Überleben zu sichern. Einer ihrer Freunde aber, Metin – neben Ina, Fritz, Ali und ein paar anderen-, Scheitert. Mit der Romanfigur Metin wird Cemal Altun und seinem tödlichen Sturz aus dem sechsten Stock des Berliner Verwaltungsgerichts, Ende August 1983, ein literarisches Denkmal gesetzt.

Habib Bektas ist ein Autodidakt, der sein Handwerk, das schreiben, durch Erfahrung gelernt hat. 1951 wurde er als Sohn eines Landarbeiters in Salihli bei Izmir geboren und ging wie er selbst erzählt, solange zu Schule, bis er Lesen und Schreiben gelernt hatte. Von dem Zeitpunkt an, als er die Schule verließ, da er Geld verdienen musste, wählte er selbst aus, was er las, und er las viel.

Im Alter von 22 Jahren kam er nach Deutschland, arbeitete in Textil- und Metallfabriken, lernte die Sprache des Landes und lernte, sich in die anderen Verhaltensweisen hineinzudenken, lernte, auszuwählen, was ihm entgegenkam und abzulehnen, was ihn irritierte. Von Anfang an bedeutete das eine Auseinandersetzung mit beiden Kulturen, und in seinen Büchern findet man weder ein idealisierendes Türkeibild noch ein Zerrbild des Landes, in dem er lebt, seit er erwachsen ist.

„Bana her yer gurbet“, sagt er, „Jeder Ort ist für mich Fremde“, und macht damit deutlich, welche Mühen das Individuum hat, sich bei diesem Spagat zwischen zwei Ländern akzeptable Identität zu schaffen. Seine Zweitsprache, das Deutsche, ist Vehikel für den Alltagsgebrauch, ein Verständigungsmittel, ohne das man hier kaum auskommt, seine Texte aber schreibt er auf Türkisch, greift seinen ÜbersetzerInnen aber bereitwillig unter die Arme, wenn die Formulierung mal nicht gleich auf Anhieb gelingen will, oder übersetzt selbst.

Seit Anfang der Achtziger Jahre erscheinen seine Lyrikbände, Erzählungen und Kindergeschichten in der Bundesrepublik, zum Teil zweisprachig. In seinem neuen Gedichtband – Zaghaft meine Sehnsucht(1997) – wird deutlich, das die Sprache für ihn mehr ist als ein Werkzeug zum Formen: „Ich bin nicht einsam,/ solange mein freigewähltes Exil, das Wort, da ist.“ Viel Raum nimmt das Thema des Fremdseins ein, es geht aber auch um Liebe und Abschied, und Abschied heißt Tod.

Bis aber seine ersten Texte publiziert wurden, hat er vieles erlebt und vieles gesehen, hat Erlebnisse von so schockierendem Charakter gehabt, dass er beschloss nicht nur schreibend, sondern auch handelnd einzugreifen, und wurde so vom worker zum Streetworker, der sich intensiv um drogengefährdete Jugendliche kümmerte.

Einige seiner Erfahrungen sind auch in seinem zweiten Roman eingeflossen, Gögle kokusu – Schattendunst, mit dem er 1997 mit einem der bedeutensten Literaturpreise der Türkei, dem Milliyet ve Inkilap Roman Ödülü ausgezeichnet wurde. Gögle kokusu ist die Geschichte eines Jungen, dessen Familie als Folge des Militärputsches vom September 1980 auseinander gerissen wird. In der ersten Hälfte des Buches, lässt der Autor seinen Protagonisten, Metin, aus der Kinderperspektive erzählen. Dadurch bedingt wirken die Geschehnisse, die an sich schon erschreckend sind – Hausdurchsuchung und Verhaftung der Mutter -, um so ungeheuerlicher. Als Metin, im letzten Teil des Buches, nach Deutschland kommt und heran wächst, hat er immense Schwierigkeiten, sich zurechtzufinden, gerät er ins Drogenmilieu und erkrankt an Aids – leider durchaus realistisch. Auch in diesen Roman setzt sich Habib Bektas mit den Schattenseiten beider Länder auseinander. Die Sachlichkeit, mit der er erzählt, die klare eindeutige Sprache schafft Distanz, so das sich jede Wehleidigkeit von vorneherein verbietet.

Seinen Romanfiguren kommen die Wertmuster abhanden. Aber ob es sich um Metin, seine Mutter oder um andere Personen handelt, jede einzelne ist mit einem solchen Einfühlungsvermögen gezeichnet, dass ihr Innenleben den LeserInnen deutlich vor Augen steht. Überdies ist der Roman auch noch spannend, und erschrocken folgt man den dem Weg der Protagonisten in die Aporie.
Habib Bektas schreibt aus Wut über die eigene Ohnmacht; er zeigt auf, wie sehr die Verhältnisse Menschen in Ihrer Persönlichkeit degradieren und zu Schatten ihrer selbst werden lassen, noch bevor sie auch nur die Chance hatten sich zu entwickeln. „Was mir Angst macht, ist nicht der Tod: Es ist mein Zorn“, sagt er in einem seiner Gedichte. Und trotz seines Zorns lässt er sich mit Geduld auf die Welt seiner Figuren in der Ägäis oder in der grauen deutschen Stadtlandschaft ein, allerdings vor dem Hintergrund der genauen Skizzierung höchst problematischer politischer und sozialer Strukturen.

Bahar Rasmussen (geb.1962) ist Journalistin und Literaturwissenschaftlerin.
Sie lebt ab – wechselnd in Kopenhagen und Istanbul.

Eine Auswahl der Bücher von Habib Bektas, die bisher auf Deutsch erschienen sind:
Die Belagerung des Lebens – Yasami Kusatamak. Lyrik und Prosa in Auswahl. Zweisprachig. Aus dem Türkischen von Yüksel Pazarkaya. Ararat – Verlag Berlin 1981

Ohne Dich ist jede Stadt wie eine Wüste. Gedichte. Aus dem Türkischen von versch. Übersetzern. Damnitz, München 1984.

Das Länderspiel. Erzählungen. Aus dem Türkischen von Wolfgang Riemann. Heliopolis – Verlag. Tübingen 1991.

Metin macht Geschichten. Kinderbuch. Boje – Verlag, Erlangen 1994.

Zaghaft meine Sehnsucht. Lyrik. Aus dem Türkischen von Habib Bektas u. W. Peter Schnetz. Horlemann – Verlag, Bad Honnef 1997.

Sachlichkeit und Empathie – Statt Betroffenheit: Habib Bektas

Von Bahar Rasmussen

„Manche Menschen kennen die Arten der Gräser/oder der Fische,/ich kenne die Arten der Einsamkeit“, heißt es in Nâzim Hikmets Gedicht Otobiografi – Autobiografie, das er 1961, zwei Jahre vor seinem Tod, in Berlin schrieb.

In seiner Lyrik und Prosa definiert Habib Bektas seine Arten der Einsamkeit näher, und wie Nâzim Hikmet spricht er nicht nur für sich. Der Verfasser von Gedichten, Romanen, Erzählungen und Kinderbüchern beschäftigt sich in seinen texten mit der Türkei und dem Lebensgefühl der zweiten und dritten Migrantengeneration in einem Land wie Deutschland – und einem Zwischenland, der Fremde, die überall zu spüren ist. Und dennoch sind es keine Klagelieder, die er anstimmt, es ist keine Betroffenheitsduselei, sondern er nährt sich seinen Themen vorsichtig und geduldig, beschreibt genau, in klarer, eindeutiger Sprache, entnimmt seine Stoffe der Realität und formt sie um, entwirft fiktive Welten, mit hintergründigen Humor, aber auch hart und unnachsichtig, wenn es um kaum zu glaubende Fakten geht.

Sein erster Roman, Hamriyanim – Eine Figur aus Teig,1989 in Istanbul erschienen, spielt in Berlin der achtziger Jahre, unter Türken und Deutschen, unter Flüchtlingen und ArbeiterInnen, die sich mit der Realität irgendwie arrangieren – und StundentInnen, für die „Integration“ zum Schlagwort für ihre Dissertation wird und die Studien am lebenden Objekt treiben. Im Mittelpunkt steht Fatma, die sich jene Figur aus Teig schafft, um eine Gesprächspartnerin zu haben. Eine Gegenwelt, aus Fantasien und Erinnerungen zusammengesetzt, muss dazu dienen, ihr das Überleben zu sichern. Einer ihrer Freunde aber, Metin – neben Ina, Fritz, Ali und ein paar anderen-, Scheitert. Mit der Romanfigur Metin wird Cemal Altun und seinem tödlichen Sturz aus dem sechsten Stock des Berliner Verwaltungsgerichts, Ende August 1983, ein literarisches Denkmal gesetzt.

Habib Bektas ist ein Autodidakt, der sein Handwerk, das schreiben, durch Erfahrung gelernt hat. 1951 wurde er als Sohn eines Landarbeiters in Salihli bei Izmir geboren und ging wie er selbst erzählt, solange zu Schule, bis er Lesen und Schreiben gelernt hatte. Von dem Zeitpunkt an, als er die Schule verließ, da er Geld verdienen musste, wählte er selbst aus, was er las, und er las viel.

Im Alter von 22 Jahren kam er nach Deutschland, arbeitete in Textil- und Metallfabriken, lernte die Sprache des Landes und lernte, sich in die anderen Verhaltensweisen hineinzudenken, lernte, auszuwählen, was ihm entgegenkam und abzulehnen, was ihn irritierte. Von Anfang an bedeutete das eine Auseinandersetzung mit beiden Kulturen, und in seinen Büchern findet man weder ein idealisierendes Türkeibild noch ein Zerrbild des Landes, in dem er lebt, seit er erwachsen ist.

„Bana her yer gurbet“, sagt er, „Jeder Ort ist für mich Fremde“, und macht damit deutlich, welche Mühen das Individuum hat, sich bei diesem Spagat zwischen zwei Ländern akzeptable Identität zu schaffen. Seine Zweitsprache, das Deutsche, ist Vehikel für den Alltagsgebrauch, ein Verständigungsmittel, ohne das man hier kaum auskommt, seine Texte aber schreibt er auf Türkisch, greift seinen ÜbersetzerInnen aber bereitwillig unter die Arme, wenn die Formulierung mal nicht gleich auf Anhieb gelingen will, oder übersetzt selbst.

Seit Anfang der Achtziger Jahre erscheinen seine Lyrikbände, Erzählungen und Kindergeschichten in der Bundesrepublik, zum Teil zweisprachig. In seinem neuen Gedichtband – Zaghaft meine Sehnsucht(1997) – wird deutlich, das die Sprache für ihn mehr ist als ein Werkzeug zum Formen: „Ich bin nicht einsam,/ solange mein freigewähltes Exil, das Wort, da ist.“ Viel Raum nimmt das Thema des Fremdseins ein, es geht aber auch um Liebe und Abschied, und Abschied heißt Tod.

Bis aber seine ersten Texte publiziert wurden, hat er vieles erlebt und vieles gesehen, hat Erlebnisse von so schockierendem Charakter gehabt, dass er beschloss nicht nur schreibend, sondern auch handelnd einzugreifen, und wurde so vom worker zum Streetworker, der sich intensiv um drogengefährdete Jugendliche kümmerte.

Einige seiner Erfahrungen sind auch in seinem zweiten Roman eingeflossen, Gögle kokusu – Schattendunst, mit dem er 1997 mit einem der bedeutensten Literaturpreise der Türkei, dem Milliyet ve Inkilap Roman Ödülü ausgezeichnet wurde. Gögle kokusu ist die Geschichte eines Jungen, dessen Familie als Folge des Militärputsches vom September 1980 auseinander gerissen wird. In der ersten Hälfte des Buches, lässt der Autor seinen Protagonisten, Metin, aus der Kinderperspektive erzählen. Dadurch bedingt wirken die Geschehnisse, die an sich schon erschreckend sind – Hausdurchsuchung und Verhaftung der Mutter -, um so ungeheuerlicher. Als Metin, im letzten Teil des Buches, nach Deutschland kommt und heran wächst, hat er immense Schwierigkeiten, sich zurechtzufinden, gerät er ins Drogenmilieu und erkrankt an Aids – leider durchaus realistisch. Auch in diesen Roman setzt sich Habib Bektas mit den Schattenseiten beider Länder auseinander. Die Sachlichkeit, mit der er erzählt, die klare eindeutige Sprache schafft Distanz, so das sich jede Wehleidigkeit von vorneherein verbietet.

Seinen Romanfiguren kommen die Wertmuster abhanden. Aber ob es sich um Metin, seine Mutter oder um andere Personen handelt, jede einzelne ist mit einem solchen Einfühlungsvermögen gezeichnet, dass ihr Innenleben den LeserInnen deutlich vor Augen steht. Überdies ist der Roman auch noch spannend, und erschrocken folgt man den dem Weg der Protagonisten in die Aporie.
Habib Bektas schreibt aus Wut über die eigene Ohnmacht; er zeigt auf, wie sehr die Verhältnisse Menschen in Ihrer Persönlichkeit degradieren und zu Schatten ihrer selbst werden lassen, noch bevor sie auch nur die Chance hatten sich zu entwickeln. „Was mir Angst macht, ist nicht der Tod: Es ist mein Zorn“, sagt er in einem seiner Gedichte. Und trotz seines Zorns lässt er sich mit Geduld auf die Welt seiner Figuren in der Ägäis oder in der grauen deutschen Stadtlandschaft ein, allerdings vor dem Hintergrund der genauen Skizzierung höchst problematischer politischer und sozialer Strukturen.

Bahar Rasmussen (geb.1962) ist Journalistin und Literaturwissenschaftlerin.
Sie lebt ab – wechselnd in Kopenhagen und Istanbul.

Eine Auswahl der Bücher von Habib Bektas, die bisher auf Deutsch erschienen sind:
Die Belagerung des Lebens – Yasami Kusatamak. Lyrik und Prosa in Auswahl. Zweisprachig. Aus dem Türkischen von Yüksel Pazarkaya. Ararat – Verlag Berlin 1981

Ohne Dich ist jede Stadt wie eine Wüste. Gedichte. Aus dem Türkischen von versch. Übersetzern. Damnitz, München 1984.

Das Länderspiel. Erzählungen. Aus dem Türkischen von Wolfgang Riemann. Heliopolis – Verlag. Tübingen 1991.

Metin macht Geschichten. Kinderbuch. Boje – Verlag, Erlangen 1994.

Zaghaft meine Sehnsucht. Lyrik. Aus dem Türkischen von Habib Bektas u. W. Peter Schnetz. Horlemann – Verlag, Bad Honnef 1997.

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Erlanger Kulturförderpreis
Seit einigen Jahren betreibt er das Erlanger Theatercafe. Nach der Veröffentlichung seines ersten, ins Deutsche übertragenen Gedichtbandes erhielt er den Kulturförderpreis der Stadt Erlangen.
Seine Romane wurden in der Türkei mit angesehenen Literaturpreisen ausgezeichnet ; der erste, „Hamriyanim“ 1990 mit dem Romanpreis der Tageszeitung Milliyet, der zweite , „Schattengeruch“, 1997 mit dem Romanpreis des traditionsreichen Inkilap- Verlages.

Rückgriff auf die Kindheit
Seine Gedichte schreibt Habib Bektas in türkischer Sprache und übersetzt sie selbst ins Deutsche. Seine Poesie wird von der Erlebniswelt seiner Kindheit und seiner eigenen Kinder gespeist: „Papa,/ wenn viele Bäume/ zusammen sind/ und sich umarmen/ wird aus ihnen ein Wald/ warum sind wir Menschen/ kein Wald?“
Er hat sich einen kindlichen, nicht naiven Blick auf die Welt bewahrt. Ihn interessieren Wahrnehmungen, die in einer satten Zivilisation kaum noch als lebensnotwendig erscheinen. Bektas möchte einen direkten Zugang zu den Menschen, sich nichts vorgaukeln lassen. In sofern sind seine Gedichte, die Ihre Subjektivität nicht verbergen, politisch.
Bei Bektas ist die Lyrik an der Grenze zum Schweigen angelangt, dies ist aber beredter als viele Worte. Seine Gedichte sind deshalb ein erfrischendes Elixier, ein stachliger Impuls zur Rückbesinnung auf unverzichtbare Werte, wie sie neugierige Kinder noch kennen.

Verse voll Gefühl und Klang

Habib Bektas las in deutscher und türkischer Sprache


Weiden. (os) Das Ungewohnte an dieser Autorenvorlesung war vor allem der Mut, mit dem hier wieder Gefühle ausgedrückt werden. Besonders beeindruckt waren die Zuhörer auch von dem Klang, der Melodie, die in diesen Gedichten liegt, insbesondere, wenn sie in der türkischen Muttersprache des Autors vorgetragen wurde. Es war ein kleines, aber sehr interessantes Publikum, das sich am Donnerstagabend im Saal des Kulturzentrums „Hans Bauer“ einfand. Im Rahmen der „Woche der Öffentlichen Büchereien“ las der in Erlangen lebende türkische Autor Habib Bektas aus eigenen Werken. Mit Hilfe deutsche Schriftstellerkollegen sind sie vorbildlich übersetzt, aber fast noch lieber lauschten die Zuhörer den für sie alle unverständlichen, aber äußerst klangschönen Versen in türkischer Sprache.

Der Leiter des Kulturamtes, Bernhard M. Baron, hob bei seiner Begrüßung hervor, dass trotz des hohen Anteils türkischer Gastarbeiter türkische Schriftsteller bei uns als „exotische Außenseiter“ gelten. Habib Bektas hat in Erlangen eine zweite Heimat gefunden. Er ist seit 1973 in der Bundesrepublik und hat in kürzester Zeit Ansehen bei deutschen wie türkischen Literaturfreunden gewonnen.

Bektas las zuerst aus dem jüngst in Deutschland erschienenen Gedichtband: „Reden die Sterne?“ Er geht darin von den naiven Fragen seines Sohnes aus, als dieser zwei oder drei Jahre alt war. Soll man ein Federchen auf der Erde nicht aufheben, um es einem Vogel, der nicht mehr fliegen kann, zu schenken? In einem anderen Text geht es um das Geld, das nach Papas Aussage schmutzig sei, das Papa aber doch „so schön“ in die Tasche stecke. Von einem Hund, vom Weinen und von Weihnachten handeln andere, vom Kindermund formulierte Texte.

Andere Gedichte Bektas’ greifen das Schicksal von in der Türkei inhaftierten Freunden auf, das Los der Gastarbeiter, seiner Heimat und seine geliebte Wahlheimat Erlangen. „Weinen hat keine Muttersprache“, heißt es in einem Text, in dem ein Gastarbeiter sich nach menschlicher Begegnung sehnt.

Besonders gefühlvoll und einfühlsam sind die Liebesgedichte. Sehr ergreifend war das _ wieder deutsch und türkisch vorgetragene – Gedicht auf die Geburt seiner Tochter Shirin, das inzwischen auch als Lied bekannt geworden ist. Bektas’ Verse sind im Original reimlos, manchmal erscheint der Reim versteckt. Immer aber sind seine Gedichte ungewöhnlich harmonisch im Klang.
Zwischen den Gedichten ging Bektas bereitwillig auf alle Fragen der Zuhörer ein. Neben seiner türkischen Muttersprache liebe er auch das Deutsche, für ihn vor allem eine Sprache der Philosophen und der Wissenschaft; in deutscher Sprache zu dichten, werde er nicht wagen. Es sei ihm recht, dass seine Texte im Deutschen bewusst den Eindruck von Übersetzungen böten. Drei Bücher gäbe es von Ihm in der Türkei, drei sind auch in Deutschland erschienen. Sein Sohn wachse zweisprachig auf, worin er einen großen Vorzug sieht. Besonders amüsiert nahm das Publikum die Erzählung von seinem dornenvollen Weg vom einfachen Landarbeitssohn zum Poeten auf.

Die Zuhörer dankten dem Autor mit kräftigem Applaus. Dieser bedankte sich mit der zusätzlichen Lesung einer Kurzgeschichte vom „tiefgründigen Hodscha“, in der ein geistlicher Lehrer einen aufgeweckten Jungen als Medium fürs Wahrsagen gewinnen will, was aber scheitert.

„Der neue Tag“
Weiden, 28.6.1986

 

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©Ralf Bergmann